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Douglas Kirkland über Fotografie: Ein Leben in Bildern

Eine ehrliche Geschichte, von Herzen erzählt

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Douglas Kirkland berichtet darüber, weshalb er Bildbände mit festem Einband liebt. Er erzählt seine Geschichte, die ihn mit gummibandgeschnürter Weihnachtsgeschenkskamera aus dem Ontario seiner Kindheit über viele, viele Stationen bis ins Profifotostudio und zu den starbesetzten Locations im glamourösen Hollywood brachte, und er verrät, weshalb er sich nie zur Ruhe setzen will.
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Transkript

Wer ist Douglas Kirkland und was ist sein Werdegang? Wie bin ich da hingekommen, wo ich heute stehe? Früher schien es sehr unwahrscheinlich, heute hier als bekannter Fotograf zu sitzen. Es waren viele kleine Schritte. Im Buch “Douglas Kirkland - A Life In Pictures” erinnere ich mich zurück und erzähle von diesen ganzen kleinen Schritten. Es ist eine ehrliche Geschichte, die von Herzen erzählt wird. Als Fotograf sind Bücher für mich sehr wichtig. Das ist mein 16. Buch. Manchmal fragt man mich: Warum machen Sie Bücher? Weil sie von Dauer sind. Zeitschriften sind einen Monat oder vielleicht auch nur eine Woche aktuell und dann fliegen sie weg. Das Besondere am Buch ist, dass es Bestand hat. Ein fester Einband wertet es noch mehr auf, es erscheint dann noch wichtiger und überdauert viele Jahre. Aber das Wichtigste sind natürlich die Bilder selbst. Und das, was für den Fotografen selbst zählt. Wie bin ich dort hingekommen? Für mich ist es die ultimative Ausdrucksform. Ich habe Douglas im Jahr 2005 zum ersten Mal getroffen. Zuerst haben mich natürlich seine Arbeiten überwältigt, nicht nur in ihrer Qualität, sondern auch in ihrer Breite und ihrem schieren Umfang. Unglaublich, wo er über die Jahre überall herumgekommen ist und wen er alles traf. Wir entschieden, ein Buch mit sehr vielen seiner Starporträts zu veröffentlichen, und so entstand der Titel „Freeze Frame“. Außer „Freeze Frame“ haben wir auch ein Coco-Chanel-Buch und ein wundervolles Michael-Jackson-Thriller-Buch gemacht. Ich glaube, die Idee zur Monografie entstand aus einer Unruhe heraus; da war so viel tolles Material, wie sollen wir nur all diese Bücher veröffentlichen? Ich dachte: Moment mal, es ist Zeit für eine Monografie. Da hat jemand eine gewaltige, jahrzehntelange Laufbahn und dabei von Anfang an hervorragende Arbeiten geschaffen, die in ihrer Breite und Vielfalt weit über die allgemein bekannten Starporträts hinausgehen. Das ist doch eine tolle Gelegenheit, die Karriere von Douglas Kirkland als solche in den Mittelpunkt zu rücken. Das war nicht meine Kamera, sondern die meiner Eltern. Aber zufällig habe ich mit dieser Kamera auch mein erstes Bild aufgenommen. Mit so einem Gummiband hielten wir sie zusammen. Die Brownie-116-Boxkamera. Es war ein kalter Morgen in Fort Eerie, am Weihnachtstag. Ich war zehn Jahre alt. Endlich durfte ich die Kamera benutzen. Ich sah runter, schwenkte etwas hin und her und sah meine Eltern und meinen Bruder vor dem Haus stehen. Es war Weihnachten und sehr kalt. Und das Klicken, dieses kleine Klicken - das war wirklich der Anfang meiner Karriere und meiner Fotobegeisterung. Mit dieser Kamera begann dann meine eigentliche Laufbahn als Fotograf, das war die Speed Graphic. Wenn man die in der Hand hatte, machte man damit sofort klar: Ich bin Berufsfotograf. Ich benutzte diese Kamera in Welland, Ontario, bei der Zeitung. Sie stellten sie mir zur Verfügung und ich habe damit alles fotografiert. Ich fotografierte Hockeyspiele, vor allem aber Hochzeiten und Babys. Ich nutzte jede Gelegenheit, es machte mir einen Riesenspaß. Und da wusste ich, dass ich wirklich Fotograf werden wollte. Ich war gerade 15 Jahre alt. Ich habe echt früh angefangen, und zwar mit dieser Kamera. Mir wurde klar, dass es viele hervorragende Fotografen gab und dass ich gerne für einen von ihnen arbeiten wollte. Ich wollte gerne hinter die Kulissen schauen, und zwar in New York, dem Epizentrum der Fotografie. Ich arbeitete etwa fünf Monate mit Irving Penn und lernte dabei sehr viel. Und ich war motiviert. Ich brannte regelrecht für die Fotografie. Ich zog mit meinem Portfolio durch die Stadt und fand Arbeit. Wie das ging? Ich sprach nicht beim Life- oder beim Vogue-Magazin vor, nein. Ich ging zu den kleineren Zeitschriften. Ich arbeitete für Popular Photography, das gefiel mir extrem gut. Ich fand immer wieder Arbeit, erweiterte sie und schuf mir selbst welche. Kurzum: Im Juli 1960 wurde ich von Look engagiert und da begann mein Leben richtig. Ich glaube, meine eigentliche Lehrzeit waren die Reisen für Look. Eine Person hat mich besonders stark und positiv geprägt. Das war auch ein Auftrag für Look. Ich sollte in Paris eine Story über Coco Chanel machen. Sie hat mich sehr inspiriert. Sie hat sich wohl selbst in mir wiedererkannt, weil sie auch ganz unten anfing. Sie sagte mir, ich könne tolle Dinge erreichen, ich sei begabt. Das hat mich seither immer begleitet. Und bei Look vertrauten sie mir mit der Zeit immer mehr und gaben mir sehr besondere Projekte. Irgendwann ließen sie mir dann völlig freie Hand, innerhalb vernünftiger Grenzen. Ich fotografierte Mode, Sport, Reportagen. Wie schon gesagt, all das sind Stufen meines Weges und hier sitze ich nun. Ich überlege, ob ... Seite 141. Ich glaube, wenn wir sie etwas nach oben nehmen oder wenn wir sie hier vielleicht ein Stückchen kleiner machen könnten. Die Augen sollten auf gleicher Höhe sein. Die Größe ist okay, aber wir sollten sie etwas besser ausrichten. Es muss nicht genau gleich sein, aber ich glaube, sie wirken dann besser zusammen. Und wenn wir sie als Doppelseite ausgeben und dabei am Raster ausrichten? Okay, ja. Wenn man gebeten wird, sein Lebenswerk zu zeigen, dann ist das eine ziemlich große Aufgabe. Bei der letzten Auswertung unserer Sammlung ergab sich eine Anzahl von 1 Million Digitalfotos, Negativen und Abzügen. Daraus suchten wir die bedeutsamen Bilder aus und scannten sie ein. Am Ende lieferten wir 2500 Bilder ab, von denen schließlich etwa 720 übrig blieben. So viele sind im Buch. Ich vertraue dir, das weißt du doch, oder? Okay. Nach elf Stunden hier vertraue ich dir wirklich. Wir arbeiten mit einer Designerin zusammen. Sarah hat von uns die Fotos bekommen. Sarah hat bei jeder einzelnen Doppelseite darauf geachtet, dass die Bilder aus ihrer Sicht bestmöglich zusammenpassen. Sie hat auf die Kompositionen der gegenübergestellten Bilder geachtet. So entstand eine sehr schöne und überraschende Darstellung von Douglas' Arbeit. Durch ihre Gestaltung beginnt man nun, sein künstlerisches Werk zu erkennen. Die Genres, die er bearbeitet hat. Es ist wirklich ein gewaltiges Buch, einmal speziell im Hinblick auf Douglas, aber auch als perfektes Beispiel für eine Monografie im Allgemeinen. Sie hat Elemente zusammengeführt, bei denen mir wirklich niemals der Gedanken dazu gekommen wäre. Eine der ersten Doppelseiten im Buch zeigt zum Beispiel einen schmutzbedeckten Vogel in der Nähe des Mount St. Helens. Dieses Motiv kombinierte sie mit einer Frau in Italien, die ein Schlammbad nimmt. Und sie setzt Audrey Hepburn aus den Sechzigern direkt neben Michelle Williams, die Darstellerin von Marilyn Monroe. Die Jahreszahl ist also nicht entscheidend, sondern allein die Ästhetik. Und dafür hatte sie einen wirklich wundervollen Blick. Ich würde Sarah jederzeit mein Werk anvertrauen. Dieses Bild haben wir hier in Kalifornien aufgenommen, bevor wir herzogen. Wir waren wegen einer Story hergekommen. Und dann fanden wir dieses ... - Das war “Leaving the cities” - ... dieses Blumenfeld. Wir stiegen aus dem Wagen direkt ins Feld und stellten die Kamera in die Blumen. Ich hatte einen Fernauslöser und Françoise trug dieses wundervolle lange Kleid. Dann gingen wir dort entlang, weiter nichts. Es sollte einfach so passieren. Dieses Bild bedeutet mir wirklich viel. Ja, aber so passt es auch wirklich schön, mit John Lennon. Mit dieser Kamera bei Look habe ich wahrscheinlich mehr Fotos als mit jeder anderen Kamera aufgenommen. Sie ist wie ein alter Freund und sie war sehr gut zu mir. Und diese Kamera war unglaublich wichtig, um meine Karriere in New York voranzutreiben. Manchmal werde ich gefragt, wie ich ins Filmgeschäft gekommen bin. Das kam ziemlich überraschend. Ich sollte für Look niemals Promis oder Stars aufnehmen und machte auch sonst nichts in Richtung Filmbranche. Aber ich war ja auch Modefotograf und mein Chef aus New York rief mich an und sagte: “Wir wollen, dass du nach Las Vegas gehst. Elizabeth Taylor hatte jetzt schon seit fast einem Jahr kein Interview oder Fotoshooting mehr." Damit hatte ich einen echten “Knüller”, wie man in der Pressewelt so sagte. Und wieder benutzte ich meine Hasselblad mit empfindlichen Diafilmen und es gelang mir. Das war noch nicht einmal meine erste Titelseite bei Look, aber diese Bilder gingen um die ganze Welt. Damit wurde ich bekannt. Das war im Juni, und im September begleitete ich bereits Judy Garland, einen ganzen Monat lang. Und dann kam Marilyn Monroe, das war im November 1961. Bei Marilyn benutzte ich auch wieder die Hasselblad. Ich hatte ein sehr helles Licht und einen Stoffdiffusor, es war nur eine einzelne Lichtquelle. Damit simulierte ich praktisch ein großes Nordfenster. Das war die Beleuchtung, ganz schlicht und elementar. Marilyn wollte auf dem Bett posieren, nur mit einem weißen Seidenlaken, Dom-Perignon-Champagner und Frank-Sinatra-Platten. Wir hatten das alles. Aber an dieser Stelle ist es dann ganz wichtig, dass du mit der Kamera natürliche und fließende Abläufe hinbekommst, ohne zu stocken, denn Marilyn braucht deine ganze Aufmerksamkeit. Schenke deine Aufmerksamkeit der fotografierten Person, denn sie macht am Ende das Bild aus. Ich habe zu Marilyn nicht gesagt: “Hebe den Arm. Tu’ dieses, tu’ jenes.” Ich habe nur mit ihr gesprochen und geflirtet. Da war diese Spannung zwischen uns und sie strahlte einen wahnsinnigen Sex-Appeal aus. Den habe ich in die Kamera geleitet und deshalb gibt es heute diese Bilder von Marilyn. Etwa ab 1962 verwendete ich dann mehr 35-Millimeter-Filme. Ich hatte mich zuvor schon etwas umgesehen, aber jetzt hatte sich die Reprotechnik so weit verbessert, dass man auch mit 35-Millimeter-Film gute Ergebnisse bekam. Meine Hauptkamera war damals eine Canonflex, aber so eine hier hatte ich auch noch. Das ist eine Nikon F. Es war meine Hauptkamera, die ich für die Arbeit an Spielfilmen verwende. Ich mag sie sehr. Sie wurde immer mehr zu meiner wichtigsten Kamera, 35 Millimeter. Für die Filmbranche arbeitete ich an 161 Filmen mit. Die Vorgehensweise hat sich nicht geändert, sie ist heute noch dieselbe wie vor vielen Jahren. Man muss im Hintergrund bleiben, darf niemandem im Weg sein und den Prozess der Filmentstehung nicht behindern. Man muss den Leuten mit Respekt begegnen und versuchen, eine Beziehung zu den Stars herzustellen und aufrechtzuerhalten. Ein bedeutender Film, an dem ich mitarbeitete und der sehr erfolgreich war, war beispielsweise “Titanic”. Ich glaube, durch ihn verkauften sich mehr Bücher dieser Art als zuvor. Bei “Der Große Gatsby” waren wir mindestens einen Monat vor Ort und machten viele Werbesachen. Wir arbeiteten sowohl mit der 8x10-Zoll- als auch mit der digitalen Kamera. Es ist sehr wichtig, eine Beziehung zu den einzelnen Menschen aufzubauen, auch wenn man manchmal nur 15 Minuten für eine bestimmte Person hat. Ich arbeite beispielsweise mit den Oscar-Kandidaten. Ich fotografiere 20 von ihnen, manchmal in 15 Minuten. Man muss eine Beziehung aufbauen. Das ist sehr wichtig. Man hält diese Verbindung aufrecht. Ich liebe die Menschen, die ich dadurch kennenlerne. Das hat auch meine Karriere gefördert. Nun, hier haben Sie John Travolta deutlich bearbeitet. Ich hoffe, sie sind nicht grün, seine Augen? Sehen Sie grün? Ein kleines bisschen, ja. Entsättigen Sie sie ein bisschen. Und Diana Ross, abgemachte Sache. Okay. Wenn ich ein Buch mache, ob nun eine Monografie oder Marilyn Monroe oder eines unserer anderen Bücher, gebe ich mir wirklich Mühe. Als Fotograf möchte man, dass die Bilder auf eine bestimmte Weise wirken und bestmöglich reproduziert werden. Vor Jahren hatten wir sie einem Art Director gegeben und jemand anderes hatte die Scans gefertigt – es war ein schwer kalkulierbarer Prozess. Heute haben wir viel mehr Kontrolle, weil wir unsere eigenen Computer und unsere eigenen Scans verwenden. Und außerdem druckten wir die Bücher hier auch selbst. Wir behielten eins da und gaben eines an die Druckerei. Das war sehr wichtig. So wussten sie, wie das Ergebnis aussehen sollte, was wir erwarteten. Okay. Wir haben es zu 90 Prozent. Mm-hm. Lassen Sie die Farben so. Geben Sie mehr Kontrast hinzu und hier ein bisschen heller. Okay. Hugh Jackman sieht großartig aus. Es ist eines meiner Lieblingsbilder. Wieder mit der 8x10-Zoll-Kamera gemacht. Diese Kamera ist für mich etwas ganz Besonderes. Eine 8x10-Zoll-Kamera von Deardorff. Ich habe sie im Studio verwendet, in der Fotoschule, aber auch in Buffalo, New York, wo ich den ganzen Tag lang Produkte mit dieser Kamera fotografierte. Okay. Gut. Danke. Wir fangen mit einer Nahaufnahme an und dann gehe ich weiter zurück. Viele fragen mich: Warum verwenden Sie eine solche Kamera? Ganz ehrlich – Sie bekommen einen Gesichtsausdruck, der ganz anders wirkt, als wenn Sie einfach eine Kamera in die Hand nehmen und abdrücken. Die Position muss völlig unverändert bleiben. Mit anderen Worten: Es braucht Zeit, damit ein Foto zu machen. Sie sehen auf die Mattscheibe, Sie fokussieren. Normalerweise verwende ich dazu ein Vergrößerungsglas. Man kann das ein wenig anpassen, weil man alles auf der Mattscheibe sieht. Sobald man fertig ist, muss das Model seine Pose halten. Man legt den Film ein, betätigt den Schieber und so macht man das Bild. So macht man damit ein Foto, aber das Wesentliche ist, dass die Leute einen anderen Gesichtsausdruck bekommen, weil sie stillhalten müssen. Der Look erinnert fast an das 19. Jahrhundert. Das ist das Besondere. Die andere Sache ist, dass es sehr ungewöhnlich ist. Dann ist der Fokus äußerst präzise. Für mich ein sehr spezielles Werkzeug. Seit fast 22 Jahren arbeite ich bereits an einem Projekt für Kodak Motion Picture. Es heißt “On Film”. Im Grunde genommen geht es darum, einen Filmemacher zu fotografieren, manchmal ist es ein Regisseur oder auch ein Produzent. Seit 22 Jahren mache ich ein Bild pro Monat und es geht immer noch weiter. Weil diese Serie “On Film” heißt und es um Filmmaterial für Filmaufnahmen geht, muss ich eben analog fotografieren. Hier kommt die Mamiya RZ 67 ins Spiel. In unserem Buch haben wir – glaube ich - insgesamt 235 Personen fotografiert. Wenn ich jemanden vor einem bestimmten Hintergrund, mit einer bestimmten Beleuchtung fotografiert habe, probiere ich beim nächsten Mal etwas anderes, weil ich finde, dass ein Bild nicht wiederholbar ist. Ich bin froh, dass ich mit Film arbeiten kann, aber ich würde sagen, dass drei Viertel unserer Arbeit in Wirklichkeit mit der 5D Mark III entsteht. Die digitale Technologie, die uns heute zur Verfügung steht, finde ich wirklich spannend. Sie erlaubt es mir, Bilder zu machen, die ich vor zehn Jahren niemals hätte machen können. Ich hätte sie nicht mit derselben Konsistenz und Einfachheit machen können. Unsere Arbeiten sind sehr vielfältig und ich genieße immer noch die Flexibilität verschiedener Herausforderungen. Ich möchte nicht die ganze Zeit dasselbe Bild machen. Ein Auftrag kam ausgerechnet von einem kleinen Magazin in Hongkong. Da gibt es eine wunderbare junge Frau namens Sarah Grace - sie ist Sängerin und wir sollten sie fotografieren. Wie wäre es, wenn Sie sich mit der Schulter an die Wand lehnen? Wir begannen mit einem 24-105mm-Objektiv vor einer weißen Wand. Ich spielte Musik ab und gab ihr die Möglichkeit, sich umherzubewegen, manchmal mit einem Ventilator in der Nähe, damit sich ihre Haare bewegten. Dann wollte ich ihre schönen Augen in Szene setzen. Deshalb machte ich ein paar Kopfporträts. Dann gingen wir ins Studio. Ich leuchtete den Raum mit einem blauen Farbfilter aus und setzte den Scheinwerfer nur auf ein paar Stellen. Ich wollte ein bisschen etwas anderes machen. Ich bat sie, sich dort auf den Boden zu setzen, mit einem schwarzen Seamless und einem Licht von hinten. Ich bat sie, sich einfach dort hinzusetzen und selbst die Regie zu übernehmen. Die Leute vom Magazin hatten einzig zu bemängeln, dass es zu viel gutes Material gab. Ihr Problem war: Sie wussten nicht, wie sie alles im Magazin unterbringen sollten. Sie machten ungefähr ein halbes Dutzend verschiedener Cover. Ich machte in Australien Promotionfotos mit Debbie Allen. Debbie Allen ist eine ziemlich fantastische Person, die bei „West Side Story“ mitgearbeitet hatte. Sie hat “Freeze Frame” geschrieben - eigentlich eine Art West Side Story des 21. Jahrhunderts. Ich bekam ein großes Studio, das ich mit Blitzköpfen so ausleuchten konnte, dass es wie ein Theater wirkte. Es sollte nicht aussehen wie in einem Fotostudio. Der Betrachter sollte das Gefühl bekommen, er würde auf die Bühne blicken. Ich fotografierte so gut, wie es technisch möglich war, und sprach mit den Schauspielern - und es funktionierte. Ich habe nicht vor, mich jemals zur Ruhe zu setzen. Solange diese Hand eine Kamera halten und den Auslöser drücken kann, möchte ich weitermachen, weil es die größte Freude in meinem Leben ist. Ganz ehrlich: Meine Karriere ist an einem Punkt angelangt, wo ich das Beste davon genießen kann. So denke ich darüber und ich möchte jeden Augenblick, den ich habe, maximal ausnutzen. Dies wurde gestern geliefert. Wir gingen es durch und machten ein paar Notizen. Uns sind verschiedene Dinge aufgefallen. Wir achten hauptsächlich auf die Farben und die Druckqualität selbst. Es ist insgesamt ziemlich gut, aber zuerst waren wir etwas irritiert, weil das von uns ausprobierte Papier nicht verwendet wurde. Das Ergebnis wirkte ziemlich flau. Genau. Die Farben - Als wir die Proofs zurückerhielten, sah für mich alles etwas flau aus. Es fehlt etwas Kontrast. Wir erfuhren, dass sie nicht das Papier verwendet hatten, auf dem sie das Buch letztendlich drucken würden. Und die spätere Lackierung war auch noch nicht zu sehen. Wir mussten das also mit berücksichtigen. Glücklicherweise kenne ich die Druckbranche seit vielen Jahren, sodass ich solche Dinge beurteilen kann. Mit anderen Worten: Das Papier würde glatter und der Kontrast dadurch höher sein. Ich wollte also nicht viel mehr Kontrast einbringen. Hier zum Beispiel Audrey. Am Anfang dachten wir, dass wir das vielleicht ändern sollten. Aber als wir dann überlegten, wie es mit partieller Lackierung aussehen würde, mussten wir nichts mehr ändern. Genau. Das passt also. Wir arbeiteten von Anfang an so perfekt wie möglich und als wir die Proofs durchsahen, gaben wir die gewünschten Anpassungen durch. Bis man das Buch aber in den Händen hält, ist man ziemlich nervös. Wie war meine Reaktion an dem Tag, als wir das Buch erhielten? Ganz ehrlich: Ich war sehr erleichtert, weil sie alles richtig gemacht hatten. In all den Jahren gab es Situationen, wo ich den Druckern gesagt habe, ich möchte dies und das, und sie hatten es nicht ganz hinbekommen. Hier in diesem Buch gibt es kein einziges Bild, mit dessen Reproduktion ich unzufrieden bin. Mir geht es darum, dass Sie den wunderbaren Fluss meines Lebens erkennen, wenn Sie dieses Buch durchblättern. Und dann gibt es vier Bilder im Altarfalz - ausgeklappt sind sie einen Meter breit. Eines von ihnen zeigt Wildpferde in Australien. Das ist eines meiner Lieblingsbilder. Das andere ist “The Sound of Music”. Eine schöne Totale; Julie Andrews kommt über diesen Hügel. Dies wurde zu einem Leitmotiv der Werbung für diesen Film. Ein anderer Ausklapper ist den Italienern gewidmet. Eine Collage, die ich zusammengestellt habe, weil es so viele Menschen waren, die wir würdigen wollten, und so viele Bilder, die wir zeigen wollten. Hier verwendeten sie einige Seiten Velinpapier, eine sehr schöne Haptik. Das ist kein Buch, das einfach so aus dem Boden gestampft wurde. Es hat eine starke Ausstrahlung und – ganz ehrlich – nicht alle Verlage würden das tun. Aber Marta Howard und Glitterati haben es gemacht. Das macht mir wirklich sehr viel Freude. Ich hoffe einfach, dass ich den Menschen mit diesem Buch etwas von der Freude am Bild vermitteln kann. Von allen Büchern, die ich bisher im Leben gemacht habe, ist dies das wichtigste, weil es ehrlich und vollständig ist. Noch nie vorher hatte ich die Möglichkeit, die ganze Geschichte zu erzählen. Stets wollten sie dieses oder jenes, nur Filme … Dies ist aus meiner Sicht die ganze Geschichte. Ich habe niemals erwartet, dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin. Eine Menge Menschen haben mir in all den Jahren geholfen. Mein Leben in Bildern ist sehr gut zu mir gewesen. Ich kann mir kein besseres vorstellen.