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Grundlagen der Video-Farbkorrektur

Warme und kühle Farben

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Die Entscheidung für eine warme oder kühle Atmosphäre beeinflusst nicht nur, was der Betrachter sieht, sondern vor allem was er fühlt.

Transkript

Es gibt unzählige Wege, wie Sie ihr Material farbkorrigieren können. Aber sobald es um Farbe im Allgemeinen geht, wenn Sie sich entscheiden, eine kühle oder eine warme Atmosphäre zu erzeugen, dann kontrollieren Sie in erster Linie, was Ihr Publikum zu sehen bekommt, aber vor allem, was Ihr Publikum dabei fühlt. Bevor wir einen kühlen oder einen warmen Look kreieren, wollen wir uns noch einmal anschauen, was verschiedene Farbspektren eigentlich bedeuten und bewirken können. Grün, cyan, blau und magenta sind kühle Farben, wir denken an kaltes Wetter und kühle Temperaturen. Die Situation kann sich beruhigend, aber auch etwas unheimlich anfühlen. Kühle Farben werden verwendet, um rauhe, kahle, unpersönliche Umgebungen zu zeigen. Bei warmen Farben, wie gelb, orange, rot und magenta werden wir sofort an ein warmes Klima erinnert, wir fühlen Leidenschaft, Dringlichkeit, Energie und auch Wärme und Behaglichkeit. Warme Farben sind oft ein Indiz für lebhafte, üppige und prächtige Umgebungen. Einige dieser Gefühle widersprechen sich tatsächlich, aber je nachdem, wie Sie die Farbe mit hell oder dunkel, Sättigung und Entsättigung kombinieren, können dabei sehr interessante und unterschiedliche Stimmungen entstehen. Schauen wir uns ein paar Beispiele aus Film und Fernsehen an, die sowohl kühle als auch warme Farben einsetzen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die amerikanische Fernsehserie CSI. Wie bei der deutschen Krimiserie Der Tatort gibt es Folgen aus unterschiedlichen Städten, CSI Miami und CSI New York. CSI New York arbeitet dabei viel mit blau und grau, wohingegen CSI Miami sehr viel warme Farben, wie gelb und orange verwendet. Zum einen ist der unterschiedliche Stil eine ganz klare Abgrenzung der Folgen voneinander, man könnte fast schon sagen, eine eigene Marke, oder ein starkes visuelles Erkennungsmerkmal. Zum anderen sollen sich die Zuschauer auch fühlen, als wären sie wirklich vor Ort, in dem heißen und sonnigen Miami, oder in dem eher kühleren New York. Und das ist mehr oder weniger genau über diese Farben möglich. In Traffic, einem Film über Drogenhandel, gibt es zum Beispiel drei fest definierte Looks, die drei verschiedene Menschen und Orte miteinander verknüpfen. Steven Soderbergh setzt Farbe in diesem Beispiel nicht nur ein, um Gefühle zu erzeugen, sondern in erster Linie, um dem Publikum dabei zu helfen, den Überblick zu behalten, welche der drei Geschichten sie gerade sehen. Das wurde allerdings nicht alleine über die Farbkorrektur realisiert, sondern hier wurden bereits die Drehorte speziell eingeleuchtet. In der Kamera arbeitete man mit Filtern vor der Linse, und am Ende wurde alles mit verschiedenen Postproduktionstechniken und einer daraufhin ausgelegten Farbkultur zusammengeführt. Das Farbschema des jungen Richters in Ohio ist hauptsächlich kühl und eher rauh angelegt, wohingegen die Ehefrau des Drogenbosses in Kalifornien einen deutlich wärmeren, diffusen überzeichneten und oft stark überbelichteten Look bekommt. Das dritte Farbschema des Drogenhändlers in Mexiko hat den typischen Hot Mexican Tobacco Look, wie man so schön in der Branche dazu sagt, der sehr kontrastreich, heiß und staubig aussieht, was sehr gut zu der sandigen Wüsten- umgebung passt, in der er sich befindet. In dem Film 'Black Hawk Down' gibt Ridley Scott der somalischen Wüste eine sehr warme, sandige und grobkörnige Atmosphäre. Wenn wir diese Szenen sehen, wissen wir als Publikum sofort, dass das hier alles andere als eine sichere Umgebung ist. Als Kontrast sind die Szenen in den Baracken der Soldaten extrem kühl und beruhigend gehalten, sodass wir uns hier erleichtert und viel sicherer fühlen als draußen in der heißen Wüste, wo die grausame Wirklichkeit des Krieges tobt. OK, schauen wir mal, wie wir das hinbekommen. Ich werde jetzt einmal einen kühlen Look auf das Material legen, und danach einen warmen. Ich mache das in Premiere Pro, denn da kann ich gut zwischen den beiden Looks hin- und her schalten, indem ich zwei verschiedene Einstellungsebenen verwende. Für diese Anpassung bieten sich die Gradiationskurven an, denn damit kann ich eine Menge der einzelnen Farbkanäle sehr gut regeln. Dazu gehe ich hier in die Kurven, und dann entsprechend in die Farbkanäle. Wenn ich eine Kurve nach oben ziehe, dann gebe ich entweder mehr blau, mehr grün oder mehr rot hinzu, wenn ich sie nach unten ziehe, dann reduziere ich den jeweiligen Farbanteil. Rot, grün und blau abzuziehen bedeutet übrigens, dass ich gleichzeitig mehr gelb, magenta und cyan hinzufüge. In den Gradiationskurven des Avid Media Composer kann man das sehr gut sehen, denn hier sind die entsprechenden Farben sogar gleich in der Ansicht hinterlegt. Bei Final Cut muss man einfach den Kontrollpunkt des jeweiligen Helligkeitsbereiches an die entsprechende Stelle schieben. Obwohl die Gradiationskurve eine präzisere Steuerung ermöglicht, und das komplexere Werkzeug ist, hat das Colorboard meiner Meinung nach durchaus auch seine Berechtigung. Fangen wir mit dem kühlen Look an. Das heißt, wir müssen den blauen Anteil verstärken, und gewöhnlicherweise machen wir das nur in den oberen Mitteltönen und den mittleren Mitteltönen, also einmal hier, und einmal in diesem Bereich, das heißt, ich ziehe hier und hier ein bisschen nach oben. Dazu sollten wir uns natürlich auch die RGB-Parade einschalten, denn dann sehe ich im Messgerät auch sofort, wie sich meine Änderungen in den Gammakurven der einzelnen Farbkanäle auswirken. Als nächstes reduziere ich das rot ebenfalls hier in den Mitteltönen, bisschen hier, und nicht ganz so stark hier. Dadurch füge ich theoretisch cyan auf der anderen Seite des Farbkreises hinzu. Leider werden dadurch ihre Hauttöne etwas zu violett, und manche lassen die Hauttöne bei solchen kühlen Looks auch in dieser Art und Weise, aber ich möchte die Hauttöne lieber wieder etwas wärmer haben. Dazu nutze ich die sekundäre Farbkorrektur, und picke mir die Farbe der Hauttöne. Dann stelle ich die Maske auf ihren Gesichtsbereich ein. So. Und dann passe ich hier den Farbton, die Sättigung und die Helligkeit an. Das kann ich auch getrennt voneinander wieder hier in den Schatten, den Mitteltönen der Maske, und auch in den Highlights der Maske machen, aber ich darf nicht zu viel machen, denn sonst sieht es unnatürlich aus, und trotzdem kann ich mit dieser kleinen Veränderung das Gehirn ein wenig austricksen, denn jetzt wirkt ihre Haut im Vergleich zum restlichen Bild überhaupt nicht mehr violett, obwohl sie in Wahrheit es immer noch ein bisschen ist. Schauen wir uns mal an, vorher und nachher. Vorher-nachher. So kommen wir jetzt zum zweiten Look, dem warmen Look. Auch hier wieder eine Einstellungsebene, ich deaktiviere den kühlen Look, sodass wir wieder im Original sind. Und hier mache ich einfach das Gegenteil in den Gradiationskurven. Das heißt, ich ziehe in den selben Bereichen der oberen Mitteltöne und der mittleren Mitteltöne das blau etwas herunter, was soviel bedeutet, wie mehr gelb hinzuzufügen, und dann nehme ich auch noch etwas grün weg, sodass das Ganze etwas Richtung magenta geht. Dann helle ich das gesamte Bild noch auf, indem ich die Masterkurve anpasse. Die Masterkurve repräsentiert übrigens die Summe aus allen drei Farbkanälen, das heißt, wenn ich die Masterkurve verändere, verändere ich quasi alle drei Farbkanäle gleichzeitig und im gleichen Verhältnis zueinander. OK, das sieht gar nicht so schlecht aus, schauen wir es nochmal an: Vorher-nachher, ja gut, man könnte noch etwas mehr machen. Jetzt kann ich prinzipiell noch endlos damit weiter machen, und es viel, viel weiter verfeinern, aber ich denke, das reicht aus, um zu verstehen, das kühle Farben und warme Farben die Art und Weise komplett verändern, wie wir eine Szene sehen, und was am wichtigsten dabei ist, was wir dabei fühlen.

Grundlagen der Video-Farbkorrektur

Sehen Sie, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Farbe im Film korrigieren oder stimmungsvolle Looks gestalten.

2 Std. 21 min (18 Videos)
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