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Resilienz entwickeln

Vierte Säule: Lösungsorientierung

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Sind Sie ein "weg von.."- oder ein "hin zu…"-Typ?
06:25

Transkript

Die vierte Säule von Resilienz ist Lösungsorientierung. Das meint auf den Punkt gebracht: Schauen Sie nach vorne und lösen Sie nicht in erster Linie DAS Problem, sondern lösen Sie sich VOM Problem! Hier geht es um die Ausrichtung auf Ziele und die Konzentration auf die Gestaltung des Machbaren. „Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ Das hat Erich Kästner, ein deutscher Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts, so schön gesagt. Menschen haben schon eine sehr unterschiedliche Art, mit diesen Steinen – also mit Problemen und Hindernissen – umzugehen: Die einen verschließen schlicht die Augen und ignorieren Probleme, so lange wie es eben geht. Die anderen jammern und klagen – und finden sich schlecht gelaunt mit der Situation ab. Sie suchen und finden 1000 Gründe, warum ein Problem unlösbar sei – das nennt man dann Problemorientierung. Manchmal möchte man fast meinen, diese Menschen sind verliebt in ihre Probleme und wollen sie auf keinen Fall verlieren. Darauf zielt auch ein arabisches Sprichwort ab, das da lautet: „Wenn du etwas willst, findest du einen Weg. Willst du es nicht, findest du ... Ausreden.“ Die dritte Gruppe schließlich befasst sich mit dem Problem und sucht nach Lösungen. Diese Menschen bemühen sich so lange, bis sie eine einigermaßen gute oder sogar richtig gute Lösung gefunden haben – das nennt man dann Lösungsorientierung. Auf einer neurophysiologischen Ebene geht die Lösungs- oder Problemorientierung übrigens mit der Aktivierung unterschiedlicher neuronaler Netzwerke einher. Das habe ich in Zusammenhang mit der Selbstwirksamkeitsüberzeugung bereits ausführlich erläutert – und das gilt natürlich auch hier. In der letztgenannten Gruppe kann man noch zwischen zwei Untergruppen unterscheiden: Die einen wissen genau, was sie nicht mehr wollen. Dafür suchen sie aktiv eine Lösung. Sie arbeiten an der Abwehr von Unerwünschtem. Zum Beispiel könnte jemand sagen: Ich möchte nicht mehr so viele Überstunden machen. Dann werde ich zu Hause auch nicht mehr so viel kritisiert. Die anderen konzentrieren sich auf das Erreichen von Erwünschtem – sie arbeiten gezielt auf etwas für sie Erstrebenswertes hin. In dem kleinen Beispiel würde jemand dann vielleicht sagen: Ich möchte abends um 18.00 zu Hause sein und genug Zeit mit meiner Familie verbringen. Und jetzt sind wir bei Resilienz: Menschen mit hoch ausgeprägter Resilienz sind in der Regel lösungsorientiert und sie bewegen sich dabei auf Ziele zu – mehr als dass sie Probleme vermeiden. Sie schöpfen Energie und Begeisterung aus ihren Zielen – nicht aus ihren Problemen. Zu der Frage, wie man motivierende Ziele formuliert, komme ich später noch. Zu welcher Gruppe gehören Sie? Wissen Sie besser, was Sie NICHT wollen oder was Sie WOLLEN? In anderen Worten: Sind Sie ein „weg-von“- oder ein „hin-zu“-Typ? Erkunden Sie's doch mal. Dafür gibt es das Arbeitsblatt „Lösungsorientierung“ in Ihren Übungsdateien. Ein weiterer Gedankenanstoß lautet: Fragen Sie sich nicht „Ob...“, sondern „Wie... oder Was“. Viele – vor allem problemorientierte Menschen – fragen sich, wenn sie vor einer Herausforderung stehen, Dinge wie: „Ob ich dem überhaupt gewachsen bin? Kann ich das überhaupt schaffen? Ob das wohl gut geht?“ Solche Gedanken sind verständlich – und es ist ja auch gut, sich über seine Grenzen Gedanken zu machen. Aber sie hemmen auch und führen nicht zu Lösungen. Probieren Sie es doch mal mit der Frage „Wie oder Was“: Wie kann ich es schaffen? Was brauche ich, um das Problem zu lösen? Wer oder was kann mir dabei helfen?“ Mit solchen Fragen denken wir weniger über Grenzen und mehr über Lösungen nach. Übrigens: Sie denken nicht nur mit Ihrem Hirn über Lösungen nach – Ihr Körper denkt sozusagen für Sie mit und gibt Ihnen wichtige Hinweise, ob eine Lösung, die Ihnen vorschwebt, wirklich für Sie passt: António Damásio, ein 1944 in Portugal geborener Hirnforscher, sagt sehr schön: „The mind is embodied, in the full sense of the term, not just embrained.“ Frei übersetzt heißt das: Der Geist ist im Körper – im wahrsten Sinne des Worts – nicht nur im Gehirn. Um das bewusst zu nutzen, ist es wesentlich, auf den Körper „zu hören“. Damásio legt sehr überzeugend dar, dass alle Erfahrungen des Menschen im Laufe seines Aufwachsens in einem emotionalen Erfahrungsgedächtnis gespeichert werden. Jede Erfahrung wird mit einer einfachen Bewertung „positiv, wieder aufsuchen“ oder „negativ, künftig vermeiden“ bewertet und gespeichert. Dieses Erfahrungsgedächtnis teilt sich über körperliche Signale mit und hilft uns bei der Entscheidungsfindung (etwa, ob eine Lösungsidee gut ist oder nicht). Damásio bezeichnet dieses Phänomen als „somatische Marker” und die Summe aller Marker als das Körpergedächtnis eines Menschen. Dieses Körpergedächtnis ist Teil unserer Intuition. Die somatischen Marker sind also ein automatisches körpereigenes System zur Bewertung von Vorhersagen. Sie wirken oft unbewusst als „Alarmglocke“ oder Startsignal. Somatische Marker sind beispielsweise: Herzklopfen, Kribbeln auf der Haut, Schweißausbruch, Zittern, (un)angenehme Gefühle im Bauch, (flache oder tiefe) Atmung, Muskelverspannungen, (in)stabiler Stand, Weite oder Enge im Halsbereich, (feste oder dünne) Stimme, Kälte- und Wärmegefühle – und vieles mehr. Nehmen Sie sich doch einmal Zeit dafür, Ihre somatischen Marker besser kennenzulernen: Denken Sie an ein Thema, das Sie gerade beschäftigt, und lauschen Sie auf Ihren Körper. Welche Signale sendet er? Sie können dafür auch das Arbeitsblatt „Somatische Marker“ benutzen. Aus Sicht der individuellen Resilienz sind die somatischen Marker quasi die Sprache der Hirn-Körper-Achse, die Auskunft über die eigenen Bedürfnisse und Präferenzen geben. Diese Kommunikationsform zu beherrschen, ist Teil der bewussten, achtsamen Wahrnehmung, die Resilienz ausmacht.

Resilienz entwickeln

Lernen Sie die sieben Säulen der seelischen Widerstandskraft kennen und erfahren Sie, wie Sie aus Krisen gestärkt hervorgehen.

1 Std. 19 min (18 Videos)
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