Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch

Verhalten bei "verbotenen" Fragen

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Der Film zeigt "verbotene" Themen und Fragestellungen auf und gibt Anleitungen für angemessenes Verhalten.
08:41

Transkript

Es gibt gewisse Themen, zu denen Sie bei Vorstellungsgesprächen auf Grund der Gleichbehandlungsgesetze nicht befragt werden dürfen. Grundlagen dazu sind unter anderem in Deutschland im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz und in Österreich im Gleichbehandlungsbundesgesetzt geregelt. Dennoch kommt es manchmal vor, dass Recruiter diese Vorgaben nicht beachten. Dann werden Ihnen Fragen gestellt, deren Beantwortung Sie auf die eine oder andere Weise diskriminieren könnte. Aber warum stellen Unternehmen dennoch diese Fragen? Die Gründe dafür können vielfältig sein. Meist spielt das Risiko, dass Sie das Dienstverhältnis unerwartet beenden oder unterbrechen könnten, eine Rolle. Es soll auch abgeklärt werden, ob Sie in die Unternehmenskultur hineinpassen. Natürlich dürfen theoretisch Gesinnungen oder Meinungen keinen Einfluss auf die Verrichtung der Arbeit in den Augen des Arbeitgebers haben. In der Praxis sieht das in manchen Unternehmen leider noch anders aus. Eine andere Rechtfertigung dafür, dass verbotene Fragen gestellt werden, lautet: "Wir bewerten nicht die Antwort, sondern die Reaktion auf die Frage." Sind Sie leicht reizbar, oder bewahren Sie auch in unangenehmen Situationen die Ruhe? Sind Sie eloquent und schlagfertig bei Ihren Antworten? So betonen einige Personalmanager unangemessene Fragen als Teil eines Stresstests einzusetzen. Obwohl diese Vorgehensweise verpönt ist und gegen Gesetze verstößt, kann es Ihnen im Vorstellungsgespräch dennoch passieren, solche Fragen gestellt zu bekommen. Ich zeige Ihnen nun Themen, bzw. mögliche Fragestellungen, deren Beantwortung Sie diskriminieren könnte. Dazu demonstriere ich Möglichkeiten, auf solche Fragen neutral zu reagieren. Generell gilt: wenn Sie eine Frage gestellt bekommen, die Ihnen unangenehm ist, oder zu viel über Ihr Privatleben preisgibt, können Sie die Wahrheit jederzeit verschweigen, oder die Antwort verweigern, ohne dafür belangt zu werden. Eine Ausnahme ist jedoch, wenn Sie sich selbst oder andere Personen gefährden, zum Beispiel durch Nichtbekanntgabe einer Behinderung oder ansteckenden Krankheit. Aber dazu später mehr. Eines der häufigsten Themen, das auf keinen Fall in ein Vorstellungsgespräch gehört, ist die Frage nach der Familienplanung und nach Kinderwunsch. Gerade Frauen wird diese Frage noch immer viel zu oft gestellt: Wollen Sie einmal Kinder haben? Wie wollen Sie Ihre Familienplanung gestalten? Personalmanager wollen mit dieser Frage erfahren, ob Sie dem Unternehmen ohne Unterbrechungen zur Verfügung stehen werden. Da die Kosten, einen neuen Mitarbeiter zu finden und einzuschulen, hoch sind, sind Unternehmen bestrebt, Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen zu halten. Eine Schwangerschaft könnte einen Ausfall über viele Monate oder Jahre bedeuten. Wenn Sie diese Frage ehrlich beantworten, kann sich das eventuell negativ auf Ihre Einstellungschancen auswirken. Ich empfehle Ihnen beim Vorstellungsgespräch zu betonen, dem Unternehmen möglichst lange zur Verfügung stehen zu wollen. Konkret können Sie natürlich auch sagen, dass Sie derzeit nicht geplant haben, Kinder zu bekommen. Aber Achtung! Wenn Sie antworten, dass man Ihnen diese Frage nicht stellen darf, Sie die Antwort verweigern, oder sonstige ärgerliche Emotionen zeigen, kann Ihnen auch das negativ angerechnet werden. Welche Partei wählen Sie? Sind Sie religiös? Fragen zu Ihrer politischen Gesinnung sowie Ihrem Religionsbekenntnis haben bei Vorstellungsgesprächen ebenso nichts verloren. Ausnahmen dazu sind lediglich dann gegeben, wenn Sie für sogenannte Tendenzbetriebe vorstellig werden. Das könnten z.B. religiöse Organisationen oder Parteien sein. Unternehmen wollen hier wissen, ob Sie Werte vertreten, und sich mit der Unternehmenskultur (sollte diese politisch oder religiös geprägt sein) identifizieren können. Ich rate Ihnen sich bei solchen Fragen neutral zu geben und keine klaren Präferenzen zu bekunden. Auch bei der Frage nach sexuellen Neigungen oder Vermögensverhältnissen sollten Sie nichts von sich preisgeben, was Sie nicht wollen, oder Sie diskriminieren könnte. Wie bei allen verbotenen Fragen dürfen Sie die Unwahrheit sagen oder die Antwort verweigern. Bei solchen persönlichen Fragen können auch Sie bei Ihrem Interview-Partner nachhaken, was diese Frage für eine Relevanz für die Position oder das Unternehmen hat. Fragen nach Vorstrafen müssen nur dann wahrheitsgemäß beantwortet werden, wenn das Delikt direkt oder indirekt mit der Tätigkeit in Ihrem neuen Beruf zu tun hat. Beispielsweise dürfen Finanzunternehmen nach Vorstrafen im Bereich der finanziellen Veruntreuung fragen. Einrichtungen mit Kindern nach Vorbestrafungen in diesem Bereich. Für Außendiensttätigkeiten darf nach vergangenen Unfällen mit etwaigen Personenschaden gefragt werden. Meist verlangen diese Unternehmen ein polizeiliches Führungszeugnis bzw. eine Strafregisterbescheinigung bevor neue Mitarbeiter eingestellt werden. Diese müssen Sie in solchen Fällen vorlegen. Eine weitere heikle Frage betrifft Ihren Gesundheitszustand. So können Ihnen Fragen nach Behinderungen oder Ihrer vergangenen Krankengeschichte gestellt werden. Für den Arbeitgeber besteht nur dann ein Fragerecht, wenn die Position bestimmte gesundheitliche Voraussetzungen erfordert, oder wenn eine Gefahr für Leben und Gesundheit der anderen im Unternehmen beschäftigten Personen oder anderer, zum Beispiel, Kunden oder Geschäftspartner, zum Beispiel durch eine Viruserkrankung wie HIV gegeben ist. Sollten Sie an einer Schwerbehinderung oder einer ansteckenden Krankheit leiden, suchen Sie vor Ihrer Bewerbung eine Beratungsstelle auf, die Sie über Ihre Verschwiegenheitsrechte und Mitteilungspflichten individuell aufklärt. Diese Frage soll auch Aufschluss darüber geben, ob Sie auf Grund etwaiger Krankheiten eine höhere Ausfallswahrscheinlichkeit mitbringen. Das ist jedoch kein legitimer Grund für Unternehmen, diese Frage zu stellen. Gerade bei Personen mit längeren beschäftigungslosen Zeiten im Lebenslauf wird oft angenommen, dass sie gesundheitliche Probleme hatten. Ich rate Ihnen dringend davon ab, bei Vorstellungsgesprächen über Ihre Krankheitsgeschichte, wenn es denn eine gibt, zu sprechen. Sollte dieses Thema dennoch aufkommen, weisen Sie darauf hin, dass Sie zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen einsatzfähig sind. Nach den Freizeitbeschäftigungen des Kandidaten zu fragen, ist ebenso verboten. Auch wenn das auf den ersten Blick harmlos erscheint, könnten sich Unternehmen wegen Ihrer Hobbys ein Bild von Ihnen machen, dass Sie im Auswahlprozess benachteiligen kann. Das gilt insbesondere bei Fragen zu risikoreichen oder zeitintensiven Freizeitaktivitäten. Der harmlosere Grund nach Ihren Freizeitaktivitäten zu fragen, betrifft das allgemeine Kennenlernen und Small Talk. Hobbys sind auch oft ein Thema, zu dem Sie in einer Fremdsprache befragt werden können, um Ihre Kenntnisse im Gespräch zu überprüfen. Wenn Sie in Ihrem Lebenslauf Ihre Freizeitaktivitäten bekanntgeben, oder direkt im Gespräch danach gefragt werden, achten Sie auf Hobbys, die als ungefährlich gelten. Der Arbeitgeber will sicherstellen, dass Sie sich in Ihrer Freizeit keiner höheren Verletzungsgefahr aussetzen. Sehen Sie auch davon ab, Hobbys anzuführen, die kontroverse Reaktionen hervorrufen können, wie z.B. die Jagt. Faszinierende unübliche Freizeitbeschäftigungen können Sie als Person interessanter machen. Zusammenfassend ist zu sagen, dass Sie in unangenehmen Gesprächssituationen, die auf Grund der vorgestellten Themen auftreten, flunkern dürfen. Ausnahmen bieten, wie gesagt, Tendenzbetriebe und die etwaige Gefährdung anderer Personen. Bleiben Sie bei solchen Fragen immer positiv und entspannt. Ihre Reaktion wird eher als Ihre tatsächliche Aussage beurteilt.

Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch

Lernen Sie, wie Sie sich optimal auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten und Ihren potentiellen Arbeitgeber von Ihren Qualitäten überzeugen.

1 Std. 59 min (25 Videos)
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Erscheinungsdatum:28.07.2016

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