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Projektmanagement: Kosten und Nutzen

Nutzenbetrachtung im agilen Umfeld

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Der Burn-Down-Chart stellt sozusagen die Umkehrung der Earned-Value-Analyse dar. Im Koordinatensystem von Aufwand und Zeit stellt der ideale Projektverlauf hier eine kontinuierlich fallende Linie dar.

Transkript

Sie haben schon Machbarkeitsanalyse und Earned-Value-Analyse kennengelernt. Fehlt uns noch die Nutzen-Betrachtung in einem agilen Umfeld. Quasi die Umkehrung des Earned Value ist ein Burn-Down-Chart. Anstatt den Anstieg des Kostenauflaufs abzubilden, zeigt das Burn-Down-Chart die fallende Kurve des verbleibenden Restaufwands. Hier im Diagramm. "Aufwand" und "Zeit" bilden die Achsen. Der Aufwand kann beispielsweise in Story Points oder Function Points gemessen werden. Nachdem wir im agilen Umfeld keinen Gesamtprojektplan haben, bezieht sich der Burn-Down-Chart auch nur auf eine Iteration. Im einfachsten Fall wäre die ideale Abarbeitung der Aufgaben eine fallende Gerade. Bei Schwankung im Team, zum Beispiel wegen Urlaub oder ähnlichen, kann der ideale Verlauf aber auch eine andere Form annehmen. Dem gegenüber steht der tatsächliche Verlauf bis zum Iterationsende. Aus dem tatsächlichem Verlauf können möglicherweise Rückschlüsse auf die Bearbeitungsgeschwindigkeit gezogen werden. Die helfen die Schätzungen in den kommenden Perioden systematisch zu verbessern. Die Bearbeitungsgeschwindigkeit wird englisch als "Velocity" bezeichnet. Die Velocity ist teamspezifisch. Es geht nicht um irgendeine theoretische Geschwindigkeitsgröße, sondern um die realistische Bearbeitungszeit in Ihrem Team. Es geht dabei nicht um eine Daumenschraube mit der Sie Ihr Team messen, sondern vor allem um bessere Planung und bessere Schätzung. In den ersten Iterationen wird Ihre Velocity-Messung noch größeren Schwankungen unterlegen. Das ist ganz normal. Es wird wenigstens zwei, drei Iterationen oder Sprints benötigen, bis sich die Velocity Ihres Teams einschwingt. An dieser Denke des Burn-Down-Charts gefällt mir die Fokussierung auf das, was noch zu tun ist, statt auf das, was vermeintlich schon erreicht wurde. Aber auch die Burn-Down-Betrachtung ist eine technokratische Analyse. Man kann es auch mit Aufwandsschätzungen und Velocity-Ermittlungen übertreiben. Kommen wir zum nächsten agilen Konzept, das der Kosten-Nutzen-Abwägung Rechnung trägt. Dem Iterativen Vorgehen selbst. Durch die Bearbeitungen in vielen Schleifen bietet sich in jeder Schleife aufs Neue die Chance zur Reimprovisierung und zu Kosten-Nutzen-Abwägung auf Ebene einzelner Anforderungen im Backlog. Der Planungshorizont wird reduziert auf eine Iteration. Ist damit überschaubarer und besser zu handeln. In einer Iteration gewonnene Erkenntnisse können gleich wieder in der nächsten Iteration berücksichtigt werden. Der Prozess unterstützt dieses permanente Lernen. Die schnelle Entwicklung eines Vorführmodell, eines Prototyps ist zwar nicht ausschließlich dem agilen Projektmanagement vorbehalten, dort aber weiter verbreitet und findet auch in benachbarten Disziplinen, wie dem Design-Thinking Anwendung. Ein Prototyp kann als "Proof of concept" dienen und früh zeigen, ob das umzusetzende Konzept funktioniert oder nicht. Prototypen liefern ein schnelles, erstes Arbeitsmodell. Dabei kommt es nicht drauf an, dass der Prototyp bereits, wie das fertige Produkt einsetzbar ist. Sie können den Prototypen für eine Software beispielsweise auch als Papiermodell realisieren. Das hilft Ihnen Fragen der Bedienung und der Benutzeroberfläche, zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu erkennen und zu thematisieren. Ein Prototyp hilft Ihnen also auch, die Anforderungen besser zu verstehen. Insbesondere Anforderungen, die vielleicht nicht explizit gestellt sind aber implizit erwartet werden, wie die Benutzerfreundlichkeit Ihrer Software. Somit erlauben Prototypen frühzeitiges Lernen und bieten Ihnen Feedbackschleifen. Prototypen ermöglichen erste Tests und Feedback, noch bevor das eigentliche Produkt erstellt wird. Noch bevor der Aufwand der in den Projektgegenstand gesteckt wird zu groß wird, können Sie Anpassungen am Konzept vornehmen. Probleme können frühzeitig erkannt und korrigiert werden, womit sich potentielle Nachbearbeitungskosten reduzieren. Prototypen bergen projekttechnisch aber auch ein Problem. Wenn der Prototyp nicht explizit vom Auftraggeber gewünscht wird, müssen Sie den Aufwand für die Erstellung des Prototyps rechtfertigen. [unverständlich]: Wieso soll ich etwas bezahlen, was ich gar nicht bestellt habe? Und einen Prototypen habe ich nicht bestellt. Auch bei weniger neuartigen oder weniger komplexen Anforderungen, mag ein Prototyp übertrieben sein. Das letzte agile Konzept, das ich Ihnen hier noch vorstellen möchte kommt aus der agilen Softwareentwicklung und nennt sich "Continuous Deployment" beziehungsweise "Continuous Delivery" oder "Continuous Integration". Die Idee dahinter ist eigentlich ganz einfach. Statt eine Software über einen längeren Zeitraum zu entwickeln, und am Ende eine auslieferbare Version zu haben, versucht man stattdessen kontinuierlich eine auslieferbare Version der Software zu erstellen. Die ersten Versionen haben vielleicht erst ein Bruchteil der geforderten Funktionalität, sind aber in sich lauffähig. Durch die kontinuierliche Bereitstellung haben Sie quasi das kleinstmögliche Inkrement. Mit dem Konzept einhergehen einige Konsequenzen. Beispielsweise die Testautomatisierung. Nur mit automatisierten Tests haben Sie eine Chance sicherzustellen, dass wirklich jede Version für sich lauffähig ist. Sie müssen ja auch jede Version testen. Testautomatisierung ist teuer und bedeutet einen hohen Aufwand, stellt aber auch qualitätssicher und führt dazu, dass Fehler so früh wie möglich im Projekt erkannt werden und nicht erst in einer ausführlichen Testphase am Projektende. Sie haben nun zahlreiche Methoden kennengelernt projektspezifisch Kosten-Nutzung-Betrachtung anzustellen. Welche dieser Methoden Sie in Ihrem Projekt einsetzen, wird immer sehr stark von Ihrem Projekt und Unternehmenskontext abhängen. Für die vorgestellten agilen Methoden gilt: Iteratives Vorgehen ist im agilen Standard. Wie weit Sie es mit Ihrem Burn-Down-Chart und der Velocity-Betrachtung treiben, wird auch von Ihrem Team und Ihrem Auftraggeber abhängen. Vielleicht fordert Ihr Auftraggeber dies sogar ein. Prototypen und Continuous Deployment hängen vom Projektgegenstand ab aber bieten Ihnen vielleicht auch einen interessanten Impuls in einem anderen Umfeld. Selbst im klassischen Projektmanagement können Sie Prototypen in der Planungsphase nutzen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim Einsatz dieser Methoden.

Projektmanagement: Kosten und Nutzen

Erfahren Sie, wie Sie eine Kosten-Nutzen-Analyse für Ihr Projekt durchführen und dann zu einer Projektentscheidung kommen.

1 Std. 6 min (12 Videos)
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Erscheinungsdatum:20.04.2017

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