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Systemisch denken, fragen und handeln – eine Einführung

Meine Welt, deine Welt: Wahrnehmen und Beobachten

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Wir nehmen unsere Umwelt nicht passiv auf, sondern konstruieren Sie vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen laufend neu.

Transkript

"Die Umwelt, die wir wahrnehmen ist unsere Erfindung." Diese Erkenntnis stammt von dem Physiker und Systemiker Heinz von Foerster. Er meinte damit, dass wir die Wirklichkeit nicht passiv aufnehmen, sondern wir bauen sie vor unserem persönlichen Erfahrungshintergrund fortwährend neu auf. Wir konstruieren sie gewissermaßen. Fragen wir beispielsweise einen Historiker und einen Religionswissenschaftler nach einer Aussage zum 11. September 2001, dann werden die Antworten aufgrund des unterschiedlichen Kenntnisstandes und Erfahrungshintergrundes vermutlich recht verschieden ausfallen. Das Stichwort hier lautet Konstruktivismus, eines der wichtigsten Fundamente des systemischen Denkens. Der Konstruktivismus geht davon aus, dass der Mensch keinen unmittelbaren Zugriff auf die objektive Realität hat. Ich denke, das ist eine starke Behauptung. Sie besagt ja, dass die Wirklichkeit als das Ergebnis einer Konstruktion angesehen wird. Demnach nehmen wir nur ein Konstrukt also einen Ausschnitt wahr. Die Realität ist hingegen viel größer und wir wählen unbewusst aus, worauf wir achten. Ein Beispiel: Nehmen wir an, Sie wollen sich ein Auto einer bestimmten Marke kaufen. Wenn Sie nun im Starßenverkehr unterwegs sind, sehen Sie überraschenderweise viele Autos dieses Typs. Auf jeden Fall mehr, als Ihnen bisher aufgefallen sind. Dieses Phänomen haben Sie sicherlich schon öfters in verschiedenen Situationen erlebt. Wir sehen das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Und dies halten wir dann für die Realität. So einigen sich auch soziale Systeme auf eine bestimmte Beschreibung der Welt. Dieses Phänomen fällt uns besonders in Ländern auf, die eine andere Kultur haben. In Japan beispielsweise, muss der Besucher beim Betreten der Wohnung seine Schuhe ausziehen. Dies ist dort höfliche Sitte. Die Schuhe werden zudem nicht achtlos abgestellt, sondern zeigen mit den Spitzen zur Eingangstür. Japaner haben sich auf diese Form in ihrem sozialen System geeinigt. Eine Missachtung gilt in dieser konstruierten Realität als grobe Unhöflichkeit. Das mag uns übertrieben erscheinen. In der kulturellen Landschaft der Japaner hat es seinen Platz. Es ergibt für sie Sinn. Im systemischen Denken heißt das zum Beispiel, Beschreibung und Wahrnehmung werden immer wieder hinterfragt. Was bedeutet für den Japaner dieses Ritual? Was steht dahinter? Hier hilft die Metapher der inneren Landkarte. Damit meinen wir das Bild, das sich jeder von einem System, einer Situation, oder einem Raum macht, um diese besser zu verstehen. Solche eine Landkarte ist allerdings nicht die reale Landschaft. Die Landkarte vereinfacht die Landschaft immer. Und wie gesagt: Jeder hat seine eigene innere Landkarte. Bei unserem Beispiel neigen wir vielleicht dazu, das Verhalten der Japaner als unsinnig zu bewerten. Kennen wir den kulturellen Hintergrund, also die kulturelle Landkarte näher, wächst wahrscheinlich auch unser Verständnis. Welchen Standpunkt wir auch immer zu einem Thema einnehmen, Es ist nicht die objektive Realität. Nicht die Wahrheit. Auch wenn wir noch so sehr glauben im Recht zu sein. Bestenfalls ist es ein passendes Konstrukt für einen Menschen oder ein System. Und zwar in einer bestimmten Situation und zu einem bestimmten Zeitpunkt. Eines ist deshalb dür systemische Methode zentral: Systemiker rechnen immer damit, dass das Rätsel und der Widerspruch das Normale sind. Jedes Beharren auf der eigenen Wahrnehmung, jeder Wahrheitsanspruch, verwechselt die eigene Landkarte mit der wirklichen Landschaft. Ein gesunder Zweifel an der Absolutheit unserer Wahrnehmung hilft also. Systemisches Denken bedeutet, die Loslösung unseres Denkens von richtig und falsch, gut und böse, unschuldig und schuldig. Bleiben Sie offen für die Landkarten der anderen und üben Sie sich darin, die Welt konstruktivistisch zu betrachten. Der Begriff der inneren Landkarte wir Ihnen beim systemischen Denken immer wieder begegnen. Vielleicht fragen Sie in einer Runde von Freunden oder Bekannten einmal deren innere Landkarten ab, zum Beispiel so: "Ein Kollege feiert demnächst seine Hochzeit. Es soll ein großes Fest werden. Was denkt ihr, wie viele Gäste hat er eingeladen?" Und was denken Sie? In einer meiner Fragerunden reichte die Spanne von 40 bis 600 Gästen.

Systemisch denken, fragen und handeln – eine Einführung

Lernen Sie, wie Sie mit dem systemischen Ansatz Teams, Gruppen und Organisationen besser verstehen und so zielgerichtet und sinnvoll handeln können.

1 Std. 10 min (30 Videos)
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