Das Deuser-ABC: Auftritts-Tipps vom Bühnenprofi: Jede Woche neu

M wie Moderation: Was tun, wenn man nicht angesagt wird?

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Jede Woche präsentiert Klaus-Jürgen Deuser eine neue Folge mit ganz konkreten Tipps und Tricks aus der Bühnen- und Vortragswelt. Von A wie Ablauf bis Z wie Zeit lässt er Sie an seiner über 30-jährigen Bühnenerfahrung teilhaben. Sie erhalten dabei ungewöhnliche und außergewöhnliche Tipps, Tricks und praktische Ansätze, die Sie so wahrscheinlich noch nie gehört und trainiert haben. Die einzelnen Folgen sind so angelegt, dass Sie zum jeweiligen Thema Anregungen und Tipps erhalten, die Sie sofort umsetzen können. Gut und unterhaltsam vorzutragen und zu präsentieren, ist kein Geheimnis. Es ist letztendlich harte Arbeit und Klaus-Jürgen Deuser liefert Ihnen den passenden Weg.
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Transkript

Was tun, wenn man nicht angesagt wird? M wie Moderation. Die Begriffe, die den Job eines Moderators oder einer Moderatorin am besten beschreiben, sind Gastgeber, Gastgeberin und Feuerwehrmann oder Feuerwehrfrau. Im Englischen bezeichnet man den Moderator folgerichtig auch immer als Host, also Gastgeber. Ein guter Moderator oder Moderatorin muss, wie ich finde, Stimmung und Atmosphären erzeugen, wie auf einer Party. Wenn alles perfekt läuft, dann muss er oder sie auch kaum in Erscheinung treten, aber man muss da sein, wenn etwas schiefläuft. Und man muss sich um die notwendigen Formalien kümmern. Na, irgendjemand muss ja mal sagen, dass es losgeht oder dass eine Veranstaltung zu Ende ist. Man muss sich mal vorstellen, der CEO kann natürlich das Büfett eröffnen, aber es sieht irgendwie merkwürdig aus, wenn er oder sie auf die Toiletten und die Abfahrt der Busse hinweist. Doch auf der Bühne ist es die Hauptaufgabe, erst einmal die nötige Grundaufmerksamkeit herzustellen. Moderatoren müssen die Gäste beziehungsweise die Zuschauer dahin bringen, dass sie die folgenden Künstler und Referenten und Referentinnen wahrnehmen. Besser noch, dass sich die Zuschauer auf die Künstler und Referenten freuen. Damit mal eine kurze Definition und Beschreibung des Jobs des Moderators oder der Moderatorin. Aber heute geht es mir mehr um die Personen, die von den Moderatoren angekündigt werden. Es geht mir mehr um uns letztendlich, die Künstler, die Vortragenden, die Referenten. Wenn ich zum Beispiel engagiert werde, heißt es ganz oft: "Ah, Sie brauchen ja bestimmt nicht angekündigt werden, das können Sie doch am besten." Ja, ganz ehrlich, ich kann natürlich ganz gut moderieren. Das habe ich jetzt auch lange genug gemacht. Aber genau deswegen weiß ich auch, dass Moderieren und Auftreten oder Vortragen, Präsentieren, das sind zwei grundverschiedene Jobs, also eher zwei grundverschiedene Rollen. Einmal der Entertainer und Gastgeber und dort der Experte oder die Expertin. Und zum Beispiel: Wenn die Zuschauer unruhig sind, dann ist das für mich als Moderator kein Thema, denn die Zuschauer ruhigzustellen und deren Fokus auf die Bühne zu lenken, das ist ja eine meiner primären Aufgaben. Wenn ich aber als Redner mich zuerst einmal um die Aufmerksamkeit kümmern muss, dann wird mein Expertenstatus ganz, ganz schnell reduziert. Es hilft immer enorm, wenn man von irgendjemand anderem angekündigt wird, weil Ihre Rolle ist dann geklärt. Und das gilt nicht nur für Auftritte oder Vorträge, das gilt auch für Ehrungen, Ansprachen bei Jubiläen und Geburtstagen. Sobald eine andere Person Sie ankündigt, wird es für Sie erheblich leichter. Natürlich ist es auch wichtig, wie Sie angekündigt werden. Deshalb fragen Sie bitte immer nach, ja, wie werden Sie denn angekündigt. Ja, also was sagt der oder die? Auch hier gilt: Wenn Sie noch nicht oft in solchen Situationen waren achten Sie auf einen professionellen Umgang. Immer freundlich bleiben, den richtigen Moment suchen, aber suchen Sie ihn, denn am Ende ist es Ihr Auftritt. Aber noch wichtiger als das Wie, ist es, dass Sie überhaupt angekündigt werden. Und selbst wenn irgendjemand an ein Weinglas schlägt und dann kurz sagt: "Können wir mal kurz Ruhe haben? Da möchte jemand was sagen." Schon wird es für Sie viel, viel einfacher. Das ist übrigens jetzt der ultimativste Tipp aller meiner Tipps, denn ich bin selber erst vor einem Jahr drauf gestoßen. Wenn Sie in eine Situation kommen, wo Sie eine Rede halten sollen, und es ist super unruhig und laut und niemand steht bereit, Ihnen zu helfen oder Sie anzukündigen, dann nehmen Sie so ein Weinglas, gehen Sie damit auf die Bühne, stellen sich in aller Ruhe an ein Mikrofon und... schlagen Sie einmal an das Glas. Warten Sie ein wenig und dann wiederholen Sie es noch einmal. Und Sie werden merken, der Raum oder der Saal wird ruhig. Und es ist allen klar, dass Sie gleich etwas zu sagen haben. Diese Aktion wird weltweit in den meisten Kulturkreisen sofort als Anmoderation verstanden. Dieser Schlag an ein Weinglas ist der perfekte Notfallersatzmoderator, denn dieser Schlag schafft nicht nur Aufmerksamkeit, er klärt auch Ihre Rolle. Das Glas ist quasi der Moderator und jetzt kommen Sie mit einer Rede. Aber das ist immer nur der Notfallmoderator. Besser ist es natürlich immer, wenn Sie von jemand anderem angekündigt werden. Alle weiteren Folgen meines Auftritts-ABCs finden Sie natürlich bei LinkedIn Learning oder schauen Sie einfach mal auf Facebook oder meinem Blog vorbei. Danke.