Am 14. September 2017 haben wir eine überarbeitete Fassung unserer Datenschutzrichtlinie veröffentlicht. Wenn Sie video2brain.com weiterhin nutzen, erklären Sie sich mit diesem überarbeiteten Dokument einverstanden. Bitte lesen Sie es deshalb sorgfältig durch.

Das Deuser-ABC: Auftritts-Tipps vom Bühnenprofi: Jede Woche neu

G wie Gaußsche Glockenkurve: Warum lacht der nicht?

LinkedIn Learning kostenlos und unverbindlich testen!

Jetzt testen Alle Abonnements anzeigen
Jede Woche präsentiert Klaus-Jürgen Deuser eine neue Folge mit ganz konkreten Tipps und Tricks aus der Bühnen- und Vortragswelt. Von A wie Ablauf bis Z wie Zeit lässt er Sie an seiner über 30-jährigen Bühnenerfahrung teilhaben. Sie erhalten dabei ungewöhnliche und außergewöhnlich Tipps, Tricks und praktische Ansätze, die Sie so wahrscheinlich noch nie gehört und trainiert haben. Die einzelnen Folgen sind so angelegt, dass Sie zum jeweiligen Thema Anregungen und Tipps erhalten, die Sie sofort umsetzen können. Gut und unterhaltsam vorzutragen und zu präsentieren, ist kein Geheimnis. Es ist letztendlich harte Arbeit und Klaus-Jürgen Deuser liefert Ihnen den passenden Weg.
05:05
  Lesezeichen setzen

Transkript

G wie Gaußsche Glockenkurve oder warum lacht der nicht? Wir kommen heute zu einer meiner Lieblingsgeschichten, die beschreibt, wie Mathematik mein Bühnenleben grundsätzlich verändert hat. Das Problem, um das es geht, kennt mit Sicherheit jeder, der irgendwann einmal auf einer Bühne oder vor Menschen gestanden und geredet hat. Da steht man also auf einer Bühne, unterhält, präsentiert und informiert andere Menschen und in 90 Prozent der Fällen sieht man irgendwann immer Personen, die überhaupt nicht dabei sind. Also die nicht so richtig zuhören, die irgendwie keinen Spaß haben, fast gelangweilt, kurz vor dem Einschlafen sind. Was ist passiert? Habe ich irgendetwas falsch gemacht? Ich weiß noch, wie ich in Heidelberg nach einem Vortrag mit einem Mathematiker ins Gespräch gekommen bin und ihm erzählt habe, wie schräg es ist, wenn alle klatschen, nur zwei nicht, und genau die sieht man. Und er meinte, ich soll mir mal keinen Stress machen und mir die Gaußsche Glockenkurve vorstellen. Da hatte ich natürlich erst mal Stress. Er hat dann auf einer Serviette die Kurve schnell aufgezeichnet und die mir grob erklärt. So sieht die Kurve in etwa aus. Und er meinte, diese Glocke kann man quasi auf alle zu beobachtenden Gruppen legen. Und bei jeder zu beobachtenden Gruppe gibt es quasi eine Normalverteilung. Und das ist interessant, es ist interessant, dass jede Gruppe, egal wie groß sie ist, die hat immer Extreme, die hat immer Ränder mit extremen Werten. Das ist statistisch gesehen normal. Das heißt, bei jeder Zuschauergruppe, egal, ob wir von 50 oder 1000 Personen sprechen, gibt es statistisch gesehen immer eine Anzahl von Zuschauern, die extrem gut drauf sind und ein gewisse Anzahl, die extrem schlecht drauf sind. Und das hat meistens, so meinte er, gar nichts mit mir zu tun oder mit dem zu tun, was da vorne passiert. Da hat er auch recht, denn einige sind solche Fans, dass die, egal was man sagt, immer gut drauf sind oder die eigene Mutter sitzt im Zuschauerraum und die hat einen so oder so lieb. Und dann sind da Zuschauer, die gar nicht auf dem Kongress zum Beispiel sein wollten. Die wissen, dass sie das Unternehmen in einer Woche verlassen oder die krank sind oder die gerade eine super schlechte Nachricht erhalten haben, aber sich irgendwie nicht aus dem Raum schleichen konnten und sich auf sie gar nicht konzentrieren können. Ich hatte einmal Zuschauer vor mir sitzen, die haben überhaupt nicht reagiert, und ich habe es ehrlich gesagt auch überhaupt nicht verstanden. Und irgendwann habe ich immer wieder hingeguckt. Und nach dem Vortrag habe ich erfahren, dass die überhaupt kein Wort Deutsch verstanden haben und mit Jetlag gerade aus dem Flieger ausgestiegen sind. So kann es gehen. Und diese Kurve hat mir Folgendes erklärt. Wir müssen uns als Erstes auf diese Masse hier in der Mitte konzentrieren, denn diese Masse ist veränderbar, das ist unsere Zielgruppe. Die extremen Ränder, die müssen wir verstehen und entweder ausblenden oder bestenfalls benutzen. Es kommt jetzt nämlich noch ein zweites Phänomen hinzu. Es ist grundsätzlich so, dass Menschen negative Nachrichten und Informationen stärker bewerten als positive. Das heißt, gelangweilt aussehende Menschen im Publikum haben eine stärkere Wirkung auf uns als lachende. Deswegen, wenn Sie Menschen sehen, die überhaupt nicht reagieren und gar keine Spaß haben, schauen Sie nicht hin. Zwingen Sie sich regelrecht, woanders hinzusehen. Suchen Sie sich die freundlichen Gesichter als Stimmungsverstärker. Aber: Die gut gelaunten wollen Sie gar nicht bearbeiten und bespielen, die haben Sie ja schon. Ihre Zielgruppe ist die überwiegende Mehrheit. Die extrem freundlichen Gesichter benutzen Sie also von Zeit zu Zeit als Stimmungsaufheller und die negativen Gesichter müssen Sie knallhart ausblenden. Es gibt eine Ausnahme. Wenn die negativen Personen beginnen, quasi als Opinions Leader die Grundstimmung zu übernehmen, dann müssen Sie sich mit denen beschäftigen. Demnächst gibt es noch meinen Tipp zum Buchstaben H, da geht es um Heckler, das englische Wort für Störer, da erkläre ich diesen Aspekt noch mal etwas genauer. Natürlich müssen Sie reagieren, wenn Sie mehr und mehr Zuschauer verlieren. Das ist aber dann keine Frage der Gaußschen Glocke, sondern da heißt es Lächeln und noch mal Gas geben. Und jetzt fassen wir das noch mal zusammen. Es gibt immer paar, die nicht gut drauf sind. Das hat nicht immer was mit ihnen zu tun. Zwingen Sie sich dann, echt woanders hinzusehen. Benutzen Sie die Fans als Stimmungsaufheller, aber konzentrieren Sie sich auf die Masse. Und weitere Auftritt-Tipps finden Sie natürlich regelmäßig hier bei LinkedIn-Learning und besuchen Sie mich vielleicht auch mal auf Homepage, Blog und Facebook.