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Grafikdesign für Nicht-Grafiker: Farbe

Farbflächen und Formen

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Hüten Sie sich vor Verläufen! Farbverläufe beeinflussen ihre Umgebungsfarben. Dominante farbige Formen beeinflussen ihre Umgebungsformen.

Transkript

Über den Sinn des Täuschungen des Gehirns, also die verfälschte Wahrnehmung von visuellen Eindrücken, die nicht erklärbar sind, habe ich schon anhand des Komplementär- und Simultan-Kontrastes gesprochen. Sinnes Täuschungen treten aber noch in allerlei anderen graphischen Anwendungen auf. So zum Beispiel in Verlaufsflächen an sich und deren Kombination mit soliden Farbflächen, also Farbflächen, die keine Verläufe aufweisen. Schauen wir uns eine einfache Verlaufsfläche an. Wenn Sie die Fläche ganz genau betrachten, erkennen Sie, dass der Verlauf nicht homogen ist, sondern aus hunderten kleinen Stufen besteht. Schauen Sie jetzt für drei Sekunden nicht auf Ihren Monitor, sondern an die Decke oder in den Himmel, je nachdem wo Sie gerade sitzen. Und jetzt betrachten Sie bitte wieder das Verlaufsfeld. Sie stellen fest, dass die Stufen immer noch da sind, aber nicht mehr genau dort, wo Sie sie beim ersten Betrachten gesehen haben. Hier schlägt uns unser Gehirn wieder ein Schnippchen. Die Stufen existieren nämlich überhaupt nicht. Sie haben absolut nichts mit der Einstellung Ihres Monitors zu tun oder etwaigen Fehlern des Gestaltungsprogramms, in dem sie konstruiert wurden. Diese Stufen existieren nicht. Der Verlauf ist rechnerisch absolut homogen, was sich mit einem geeigneten Densitometer beweisen ließe. Dieses Experiment können Sie übrigens an jedem beliebigen Ort wiederholen. An Drucksachen, im Internet, draußen auf der Straße, überall dort, wo Ihnen einen Farbverlauf auffällt. Am deutlichsten sind die Stufen übrigens an reinen schwarz Verläufen zu erkennen. Was bedeutet das für die Gestaltung mit Farbe? Die nüchterne Einsicht ist, dass wir die Stufigkeit nicht verhindern können und dass es in diesem Fall auch kein Weg des optischen Ausgleichs gibt. Deswegen sollte man in der Gestaltung, so gut es geht, auf Veraufsflächen verzichten. Sind sie dennoch unverzichtbar, wie zum Beispiel in manchen Säulen, Kreis oder Balkendiagrammen, können Sie sie getrost anwenden, denn je kleiner eine Verlaufsfläche angelegt ist, umso weniger fallen Helligkeitsstufen auf. Aber hüten Sie sich davor Verläufe als vollflächige Hintergrundebene Ihrer Gestaltung zu verwenden. Sie können die Stufigkeit nicht verhindern, es sei denn, der Verlauf ist so hell, dass er sowieso nicht auffällt und dann macht er keinen Sinn mehr. Insbesondere sollen Verläufe bei der Gestaltung von immer wiederkehrenden graphischen Elementen, so wie zum Beispiel Logotypen unbedingt vermieden werden. Denn je nachdem auf welches Material Verläufe aufgebracht werden, tritt die Stufigkeit mehr oder weniger stark hervor. Gedruckt auf Papier oder durchleuchtet am Monitor, ist sie vielleicht noch akzeptabel, aber je größer Verläufe dargestellt werden, zum Beispiel als Teil eines Logos, auf Fahrzeugen oder sogar an Fabrikgebäuden, fällt auch den nicht geschulten Blick des Laien auf, dass der Verlauf fehlerhaft, stufig und unsauber wirkt und damit ist der gute Eindruck dahin. Zur Sinnestäuschung der Stufigkeit kommt hier nämlich noch hinzu, dass im Großflächenbereich auch immer wieder technische Unzulänglichkeiten auftreten Verläufe sauber abzubilden. Also eine Doppelhorde, die kaum zu überwinden ist. Ein großes deutsches Stahl-Unternehmen hat aus diesem Grund die Farbverläufe in seinem Logo, die immer wieder zu Abbildungsproblemen führten, durch soliden Flächen ersetzt. Das hat viel Geld in der Umsetzung gekostet, denn überall müssten die Logos ausgetauscht werden, aber es hat sich gelohnt. Seitdem wirkt das Zeichen klar und überzeugend. Verlaufsflächen können aber noch Anderes im Kombination mit graphischen Elementen anrichten. Wir sehen hier eine große dunkelblaue Verlaufsfläche im Kombination mit einer deutlich kleineren hellblauen Verlaufsfläche. Aber auch das ist eine optische Täuschung. Ziehen wir nämlich die beiden Flächen auseinander, stellen wir fest, dass die kleine Fläche eine solide Farbfläche mit gleichmäßiger Durchfärbung ist. Wollten wir sie im Verbindung mit der oberen Verlaufsfläche als homogen erscheinen lassen, müssten wir als optischen Ausgleich auch in die kleine Fläche ein Verlauf einziehen. Und hier kommt wieder der Qualitäts- und Quantitätskontrast ins Spiel. Alle dominanten gestalterischen Elemente, die größer sind, kräftigere oder leuchtendere Farben haben oder insgesamt massiver sind, beeinflussen kleinere, schwächere, zartere Elemente so, dass sie das entgegengesetzte Verhalten des dominierenden Elements annehmen. Hier zwingt also der größere Dunkelfarbverlauf dem kleinen hellen gleichmäßig durchfärbten Element ein verlauf in die entgegengesetzte Richtung auf. Dasselbe gilt nicht nur für Farben und Verläufe, sondern auch für Formen. Dieser massive Teilkreis überlagert eine zarte Linie und bewirkt, dass sie aus drei einzelnen Linien zu bestehen scheint. Der innere Teil der Linie ist etwas nach oben versetzt, die beiden kurzen äußeren Teile etwas nach unten. Außerdem wirkt die Linie ganz leicht in die entgegengesetzte Richtung des Teilkreises nach unten verbogen. Ziehen wir die beiden Elemente auseinander, wird klar, dass die Linie eine einzige absolut gerade Linie ist. In diesem Fall müssten wir, wenn uns die Stufigkeit der Linie stört, sie in der Horizontal optisch ausgleichen. Also die beiden kurzen Linienenden etwas nach oben versetzen oder die Teillinie innerhalb des Kreises etwas nach unten und wir müssen sie leicht in Richtung Teilkreis biegen. Das letzte sehr einfach aber oft beobachtete Beispiel für optische Täuschung ist die Zusammenstellung von eckigen und runden Formen. Sie sehen ein Quadrat neben einem Kreis. Beide Figuren haben rechnerisch ein und dieselbe Masse. Sie sehen aber auch, dass der Kreis dem Quadrat gegenüber als optisch deutlich kleiner erscheint. Also muss die runde Form, wenn sie der eckigen Form gegenüber als gleichgroß erscheinen soll, optisch ausgeglichen, also vergrößert werden. Dieses Formverhalten können Sie zum Beispiel an fast alles existierenden Schriften beobachten. Schriftgestalter kennen natürlich dieses Phänomen und bilden deshalb allen runden Buchstaben den eckigen gegenüber leicht vergrößert aus, sodass sie gleich groß wirken. Alles was ich Ihnen bisher gezeigt habe, heißt aber nicht, dass Sie in ständiger Angst vor optischen Täuschungen leben müssen, keine Panik! Diese graphischen Phänomene nehmen eher selten Einfluss auf die Gestaltung. Trotzdem ist es gut über Farb- und Formverhalten Bescheid zu wissen, zum Beispiel bei der Erstellung von Grafiken in denen amorphous oder diagonale Elemente linearen Elementen zugeordnet werden. Dort könnte tatsächlich unerwünschte Farb- oder Formveränderungen auftreten. Eine leichte Abänderung einiger weniger Details als optischer Ausgleich oder das Auseianderrucken einiger Linien oder Farbfelder lässt die Gestaltung in den meisten Fällen wieder richtig erscheinen. Sie müssen nur genau hinschauen und dürfen Ihrem Gehirn nicht alles glauben, letztendlich zählt der visuelle Eindruck.

Grafikdesign für Nicht-Grafiker: Farbe

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1 Std. 11 min (15 Videos)
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