Das Deuser-ABC: Auftritts-Tipps vom Bühnenprofi: Jede Woche neu

F wie Frust: Es ist immer jemand besser

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Jede Woche präsentiert Klaus-Jürgen Deuser eine neue Folge mit ganz konkreten Tipps und Tricks aus der Bühnen- und Vortragswelt. Von A wie Ablauf bis Z wie Zeit lässt er Sie an seiner über 30-jährigen Bühnenerfahrung teilhaben. Sie erhalten dabei ungewöhnliche und außergewöhnliche Tipps, Tricks und praktische Ansätze, die Sie so wahrscheinlich noch nie gehört und trainiert haben. Die einzelnen Folgen sind so angelegt, dass Sie zum jeweiligen Thema Anregungen und Tipps erhalten, die Sie sofort umsetzen können. Gut und unterhaltsam vorzutragen und zu präsentieren, ist kein Geheimnis. Es ist letztendlich harte Arbeit und Klaus-Jürgen Deuser liefert Ihnen den passenden Weg.
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Transkript

Es ist immer irgendjemand besser. Auftreten, auf der Bühne stehen, andere Menschen zu unterhalten oder zu inspirieren, ist eigentlich ein ganz toller Job. Man wird wahrgenommen, andere Menschen hören einem zu, applaudieren, sprechen einen an, man erhält Lob und Anerkennung, und doch weiß ich selber, wie schnell man in diesem Metier auch mal frustriert sein kann. Warum ist man trotz des tollen Jobs so oft frustriert? Sobald man irgendetwas in der Öffentlichkeit sagt oder tut, sobald man vor anderen Menschen öffentlich spricht oder präsentiert, kommt eben irgendwann auch irgendeine Form von Kritik. Und nicht nur, dass man immer wieder kritisiert wird; je öffentlicher die eigentliche Arbeit wird, umso wahrscheinlicher ist es, dass man irgendwann auch auf einen Menschen trifft, der noch etwas bekannter oder besser ist als man selber. Diese Transparenz, diese Öffentlichkeit macht es oft so schwer, die eigene Leistung zu genießen, weil wir immer in Gefahr laufen, uns zu vergleichen und immer nur das zu sehen, was wir eben nicht haben. Im Jahr 2000 habe ich das Projekt NightWash kreiert und begonnen. NightWash war und ist bis heute eine Comedyshow aus einem Waschsalon. 2001 habe ich NightWash zum ersten Mal für den WDR produziert und dort läuft diese Show regelmäßig bis heute. Viele große Comedykarrieren haben dort ihren Anfang gefunden. Und ich weiß noch, wie super die Stimmung von Anfang an unter den Künstlern und Künstlerinnen war. Eine unglaubliche Aufbruchstimmung, super Zusammenhalt und irgendwann ist mal so der Erste richtig durch die Decke gegangen. Und ich weiß noch, wie alle sagten: "Ja, irgendwas muss ja auch mal sein. Da muss auch mal einer durch die Decke gehen. Aber warum der? Ich bin doch genauso gut wie der." Bitte, seien wir ehrlich. Natürlich waren die alle fast gleich gut. Der Unterschied zwischen gut überleben und einem supergroßen Erfolg ist manchmal wirklich nur so klein. Manchmal ist man dieses kleine Mü besser oder man war einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. So ist es. Aber was soll man machen? Unterhält man sich dann aber mit diesem Künstler und sagt: "Wahnsinn! Das läuft aber bei dir. Alle Theater und Hallen ausverkauft, gratuliere," dann hört man Sätze wie: "Ja, läuft, aber du weißt doch, wie das in Deutschland ist. Da wirst du doch gar nicht richtig ernst genommen, wenn du Geld mit der Comedy machst. Da fragen sie dich dann noch, ob du geerbt hast und warum du nicht mal was Vernünftiges machst. Manchmal träume ich davon, einer von den Monty Pythons zu sein; die werden ernst genommen." Ja, die Monty Pythons, die haben Comedygeschichte geschrieben. Britischer Humor, das ist Kultur. Und wenn du die Monty Pythons darauf ansprichst, dann kann es gut sein, dass du Sätze hörst wie: "Ja, wir haben Comedygeschichte geschrieben. Finden alle toll. Aber die Amis, Mann, die Amis, die verdienen so richtig viel Geld damit, wie dieser Jerry Seinfeld, also ein Stand-up. Also, der stand da einfach mit seinem Mikrofon und dann haben die daraus eine Sitcom gemacht und da hat der Millionen verdient. Der hat am Ende für eine Folge 1,5 Millionen Dollar verdient. Unglaublich." Und wenn man den dann anspricht, er wird dir wahrscheinlich sagen: "Ja, ich bin Jerry Seinfeld. Ich habe unglaublich viel Geld verdient, aber weißt du, ich lebe in New York. Weißt du, wie teuer New York ist? Und Geld ist auch nicht alles." Stell dir mal vor, der macht da unten in Chelsea so ein neues Restaurant auf und da komme ich rein und da gibt es nur noch einen freien Tisch. Und dann kommt parallel auch noch George Clooney rein. Was glaubst du, wer den freien Tisch bekommt? Ja, natürlich George Clooney, hier dieser Nespresso-Bauer. Weißt du, das ist Hollywood, das ist Glamour. Da habe ich doch nichts zu melden. Und dann sprichst du George Clooney an und dann sagt er: "Ja, ich bin George Clooney und ich kann Kaffee in kleine Kapseln pressen. Mich mögen Frauen. Ich kann sogar in Europa leben, aber wirklich verändert, das hat doch Steve Jobs. Also, der mit seinem iPhone, der hat eine ganze Generation geprägt. Da komme ich doch als doofer Schauspieler nicht ran." Und was passiert? Steve Jobs stirbt mit Mitte fünfzig. Da sitzt der vor Gott und ist voll sauer. Das kann doch nicht wahr sein. Da bist du Steve Jobs, dein iPhone weiß alles und dann gehst du einmal nicht zum Arzt und wups, sitzt du hier vor Gott, sozusagen vor dem iPhone 10.0. Und dann sitzt Gott da mit so einem Gesicht und Steve Jobs fragt Gott: "Was ist denn mit dir los? Du bist Gott. Was ist los? Was soll denn nach dir noch kommen?" Und da guckt Gott den an und sagt: "Das ist doch echt 'n Ding. Da bist du Gott und was passiert? Zwei Drittel der Menschen glaubt nicht an dich." Ja, so ist es. Wenn es heutzutage noch einmal Moses geben würde, der würde noch einmal das Rote Meer teilen, da würde mit Sicherheit irgendwo im Hintergrund ein Deutscher stehen und irgendwann rufen: "Ey, Moses, die eine Seite ist größer." Es ist so schwierig, zufrieden zu sein, denn es gibt immer jemanden, der oder die ist größer, besser oder bekannter als man selber. So what? In diesem Job liegt es ganz alleine an uns, ob wir zufrieden sind oder nicht. Diese Welt ist nicht fair. Wer hat das behauptet? Aber diese Welt bietet große Chancen und wir haben die Chance, tolle Sachen zu machen. Und hin und wieder muss man das, was man macht, einfach mal genießen. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan, aber irgendwie müssen wir ja mal anfangen. So, das war das Kapitel Frust. Alle weiteren Folgen aus dem Deuser-Auftritts-ABC finden Sie natürlich hier bei uns auf LinkedIn Learning. Und natürlich können Sie mich auch jederzeit mal auf Facebook oder auf meinem Blog besuchen. Danke.