Grundlagen der Fotografie: Filter

Dynamisches Wasser

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Fließendes, schäumendes, sprudelnder Wasser, Gischt, Brandung oder auch relativ ruhiges Dahinfließen – all diese Bewegungsformen bringen bei entsprechend verlängerter Belichtungszeit durch ND-Filtereinsatz Ruhe ins Bild.
13:29

Transkript

Bei den nächsten Bildern geht es auch wieder um eine Darstellung von Dynamik. Aber hier im Zusammenhang mit Wasser. Das Wasser kann natürlich fließen. Es kann regnen. Aber das habe ich jetzt nicht gemeint. Es kann fließen. Es kann im Meer sich überschlagen, es kann von oben nach unten fließen, wasserfallartig. Also es gibt verschiedene Facetten, verschiedene Formen. Und dieses erste Bild ist nur eine Andeutung, wie ich es jetzt relativ unspannend finde. Das Wasser überschlägt sich gerade. Also wenn ich eine kurze Belichtungszeit wähle, ist der Moment, jetzt bei dieser Welle - es geht ja hier viel um diese Welle - der ausschlaggebende Faktor ist der Moment, wo ich abdrücke. Und der Moment den ich kaum sehen kann, was da gerade passiert, bei der Kurzzeit-Belichtung sozusagen. Und da wird ja die Emotion festgehalten. Und hier, finde ich, ist es im Gegensatz zum nächsten Bild, wo sich die Welle überschlägt und schon zur Waschmaschine wird sozusagen, - und sie schon fast ausläuft, sich hat sich gerade überschlagen - im Gegensatz zu hier kommt das noch. Man erahnt...die Story geht vielleicht weiter im Kopf...und denkt uahhhh! Monsterwelle, große Welle. Keine Ahnung, da passiert jetzt was. Was wird da wohl jetzt gerade passieren? Oder was danach passiert. Hier ist es schon passiert. Ja, es wird wahrscheinlich laut sein. Aber was ich damit sagen will, ist: Dass es sehr stark von dem Moment abhängt. Bei der Kurzzeit-Belichtung. Natürlich, wenn ich jetzt die Zeit verlängere, kann ich auch surreale Darstellungen bilden, sozusagen. Von Wellen, die sich hier irgendwo bewegt haben im Meer. Und hier ist der Moment des Auslösens auch natürlich sehr, sehr wichtig. Und die Wahl der Belichtungszeit. Hier darf sie nicht zu lang sein. Nicht zu kurz, weil sonst habe ich wieder Bilder, wie die ersten zwei vorher. Hier ist es so gewählt, dass es durch ein ND-Filter verlängert wurde. Und ich schätze mal zwischen einer und zwei Sekunden auf diese Entfernung - würde ich mal behaupten - ist wohl da gerade vonstattengegangen, die Belichtungszeit. Und dadurch kommt diese Andeutung zustande. Also ich kann Wasser ganz klar darstellen. Dann kann ich es andeuten, durch die Belichtungszeit. Und kann es natürlich hier komplett eliminieren. Das heißt, hier waren auch Wellen da. Aber das muss ich jetzt schon dazu sagen. Man sieht ja keine. Und hier ist es so: Man sieht die Welle schon, und zwar die überschlagene Welle. Die ist unterhalb des Horizonts, wie so ein weißer Streifen. Und da hat sie sich überschlagen. Durch diese lange Belichtungszeit, zwischen 30 Sekunden und einer Dreiviertelminute - gefühlt -, ist das Meer ganz glatt. Und da, wo es sich überschlagen hat, da wo diese Gicht zustande kommt, wird das wohl so aussehen, dass da etwas Nebelartiges entsteht. Wenn wir jetzt nicht am Meer sind, sondern an einem Fluss. Der Fluss fließt von rechts nach links. Und da ist dann was drauf, was da flussaufwärts fährt. Und das ist ein rasendes Frachtschiff. So kommt es einem auf jeden Fall vor. Ist natürlich kein rasendes Frachtschiff, das ist am Main, es ist in Deutschland. Da geht es sehr gesittet zu, was die Frachtschifferei angeht. Die Frachtschiffe fahren logischerweise sehr langsam. Aber dadurch, dass ich einen ND-Filter benutzen kann, ist es so, dass diese langsame Bewegung... - das kann glaube ich jeder nachfühlen, dass dieses Schiff extrem langsam ist, und dahin tuckert, mit diesem Dieselmotor - ...dass es so langsam ist. Aber wenn der ND-Filter mir eine längere Belichtungszeit beschert und garantiert, wird dieses Langsame viel, viel schneller dargestellt werden. Und mit dem kann ich hier jetzt spielen. Also ein Schiff, wo ich genau weiß, es ist total langsam, sieht aber jetzt sehr, sehr schnell aus. Da kommt es natürlich auf den Moment an, den Glücksmoment. Wo wird wohl das Schiff lang fahren, innerhalb von diesen 5...6...8 Sekunden, die ich Zeit habe, durch den ND-Filter. Weil, wenn ich quasi durch die Kamera schaue, ist es oft so, dass es so schwarz ist, dass ich gar nicht mehr den Augenblick sehen kann. Wo ist mein Schiff? Das muss ich vorher ganz klar festlegen, dass ich sage: Hier, wenn das Schiff kommt, ich mein Ausschnitt des Bildes - fängt von dem Baum XY an, und geht zu dem Gestrauch Z rechts - dann weiß ich bis dahin, wenn es da bei der Belichtung quasi mit drin ist...ist es irgendwo im Bild. Und dann ist die Qual der Wahl sozusagen die Belichtungszeit. Wenn die zu kurz ist, ist das Schiff zu visuell sichtbar. Ist es langsam, haben wir den Dynamikeffekt. Ist es zu lange... fängt quasi vorher schon an, und die Belichtungszeit ist noch länger, das Schiff ist schon lange durchgefahren. Ist es vielleicht überhaupt nicht mehr im Bild, oder wirkt nur als Geist, was nicht unbedingt toll aussehen muss. Und wenn wir zum Beispiel das nächste sehen... da habe ich früher ausgelöst, habe ich eine andere Stellung gewählt, dass noch mehr Elemente auf der linken Seite sind. Also mir persönlich gefällt das besser. Und das Schiff wirkt meines Erachtens sogar schneller. Aber es hat eine andere Dynamik, auf jeden Fall. Und da sieht man noch Streifen im Wasser, die nochmal eine Emotion auslösen. Und das kann ich alles kontrolliert einsetzen, mit dem ND-Filter. Der bestimmt sozusagen diese Belichtungszeit. Und die Belichtungszeit ist dafür verantwortlich, wie diese Bewegung aussehen soll. Wasser am Meer. Kraut und Rüben, sage ich jetzt mal. Totale Unruhe. Sehr gleißendes Licht. Jetzt verpasse ich der Kamera die Sonnenbrille, der ND-Filter. Und was sehe ich? Eine ganz andere Landschaft. Da gehen sofort Geschichten im Kopf ab. Das ist alles ND-Filter geschuldet, sozusagen, und die Ruhe kehrt ein. Und eine ganz andere Beziehung zum Motiv selbst. Hier muss ich sagen...was ist das? Hier...kehrt die Ruhe ein, und schon wirkt mein Motiv. Es wirkt komplett anders. Hier war es so, da stand ich erstmal... gefühlte 20 Minuten, und habe mir nur die Szene angeguckt. Hier gings nur... natürlich geht es auch um diesen Steg, aber es geht mir eigentlich um eine Person. Und zwar war das ein Angler. Einer von diesen zwei Männeken. Ich würde behaupten, der rechte ist es. Das ist ein Angler, der hat irgend so eine Technik gehabt, wo ich gesehen habe, deshalb habe ich mir das alles so lange angeguckt. Der hat eine Technik, der hat ausgeworfen, hat gespint, hat ganz ganz lange innegehalten, hat wieder gespint, hat wieder lange innegehalten, und wieder gespint. Dann habe ich mir gedacht, okay! Wenn der jetzt, wenn ich das Glück habe, in der Belichtungszeit x, wo er quasi Ruhe hat, wenn ich ihn da erwische, dann ist das Wasser sowieso glatt, aber dann ist er im Bild zu sehen. Und er ist vielleicht meine Schlüsselposition in dem Bild. Meine Schlüsselfigur. Und dann hatte ich das Glück, dass die zweite Person auch noch wegging. Und dann habe ich diese Aufnahme gemacht. Also bei ganz vielen Langzeitbelichtungen, die habe ich schon schwarz-weiß im Kopf. Oder das bilde ich mir auf jeden Fall so ein, dass die in schwarz-weiß ganz anders wirken. Und hier geht es mir absolut nur um diese eine Person. Der steht auch noch genau quasi zur Silhouette zu mir. Hat inneghalten, ich habe ausgelöst, und habe gehofft, hoffentlich klappt's. Und das hat auch geklappt, und dann kam dieses Bild zustande. Eigentlich würden wir sagen, ohh...Mordsbrücke, oder so. Aber letztendlich führt diese Brücke immer wieder auf diese Person. Und dadurch, dass es die Langzeitbelichtung ist, kehrt Ruhe ein. Was man hier nicht unbedingt sagen kann. Da sind die Wellen direkt vor mir quasi an das Lava geklatscht, und ich hatte schon Befürchtungen, dass die ganze Ausrüstung nass wurde. Was hier...die Kraft zu zeigen, ohne Filter, ganz klar ...aber letztendlich war es das da. Das hat mich interessiert. Geht komplett weg von der realen Situation. Es ist surreal, es sind Berge, die da auf einmal sind. Das sind Nebel, die da aufsteigen. Es gehen Geschichten ab, die an Ort und Stelle auf jeden Fall faktisch nicht vorhanden sind. Und das ist es, was ich sehr reizvoll finde. Auch hier...hier war es ein Workshop, den wir in der fränkischen Schweiz gehalten haben. Und es ist so, dass hier das Licht kontrolliert werden muss, weil es ist viel zu hell oben, es ist viel zu hell dort, wo das Wasser ist. Und wenn ich das jetzt mit einem seitlich eingeschobenen und oben gehaltenen Verlaufsfilter mache - und einem ND-Filter -, kann ich diese Situation erreichen. Auch hier, Wasser fällt, Spritzer sind zu sehen, im Zusammenhang mit den Bäumen. Klar, aber Kurzzeitbelichtung finde ich relativ unspannend. So kommt mehr Ruhe rein. Und dadurch fängt - meines Erachtens - das Bild an, eine andere Geschichte zu erzählen. Das Wasser fällt sehr weit von oben nach unten Sehr laut, sehr kraftvoll... interessiert mich aber nicht. Ich will nicht die Kraft des Wassers zeigen Hier ist es ein bisschen minimiert. Dadurch dass ich einen Polfilter benutzt habe, sind die Spiegelungen etwas rausgenommen. Aber letztendlich will ich das zeigen. Das erinnert jetzt nicht unbedingt an einen Wasserfall. Das könnte auch Eis sein, das kann Nebel sein, das kann jetzt unheimlich viel sein. Aber gerade weil es das kann, setzt es da oben Bewegungen frei. Und dann ist die Geschichte am Rattern sozusagen. Die Geschichte hat ihren eigenen Lauf. Oder kann das auf jeden Fall haben. Genau faktisch gleich, bloß das ist eine Queraufnahme. Und hier kommt nochmal richtig die Power des ganzen Geländes raus, aber auch die Sanftheit des Wassers. Am Meer, da ist es oft so - ich habe schon tausende von diesen Aufnahmen gemacht - aber manchmal ist es tatsächlich so, dass ich erst mein Motiv gerade rücken muss, durch diese Langzeitbelichtung. Weil...wo ist hier mein Motiv? Das sieht ja aus, wie Kraut und Rüben. Und hier kommt auf einmal Ruhe rein. Die Elemente werden klarer. Und dadurch entsteht was... es reduziert sich auf das Wesentliche. Hier ist alles voller Unruhe sozusagen. Hier ist alles glatt gebügelt, was die Ruhe angeht. Und schon konzentriere ich mich auf das, was wesentlich ist. Und die Geschichte fängt an zu leben, also die Geschichte fängt jetzt erst an. Weil...ich gehe da hinunter... wo steige ich da hinab? Auch hier...mein Motiv, was soll das sein? Also ich sehe da nur Kraut und Rüben, voll die Unruhe. Komplett uninteressant. Aber hier fängt auf einmal... es ist deckungsgleich. Bloss dadurch, dass ich über eine halbe Minute belichte, wird das auf einmal ein Motiv. Und das finde ich absolut gigantisch, was da alles machbar ist. Wenn wir uns jetzt das hier angucken, hier geht's jetzt bei den Bildern da drum, dass wir die Belichtungszeit nicht ganz so lange machen. Hier, also eine ganz ganz kurze. Und hier ist es angedeutet. Hier geht es mir jetzt da drum, was zu zeigen, nicht auszulöschen - die Kraft. Sondern die Kraft so anzudeuten, um zu zeigen, was da jetzt wohl passieren kann. Die Welle platzt auseinander, spritzt irgendwohin. Und sie ist nicht glatt gebügelt, sondern hier passiert gleich noch Power. Es ist die Welle entschlüsselt sozusagen. Welche Kraft wohin wirkt. Auch hier - und jetzt kommt die Verknüpfung von allem - ...es ist die Kurzzeit , die mir komplett gar nichts sagt, die mir noch gar kein Motiv beschert, wo ich sage, "Ja, und jetzt?". "Wo ist da jetzt was?" Hier, da fängt es jetzt langsam an zu leben. Die Welle wird nicht die Kraft genommen, die Kraft wird noch gezeigt. Sie wird entschlüsselt, dadurch, dass sie überall wegplatzt, hinspritzt, sich katapultartig irgendwo hin bewegt. Bis dahin, wenn ich die Zeit noch verlängere - die Bilder sind absolut deckungsgleich - kann ich die Kraft auslöschen. Und ich erzähle eine ganz andere Story, obwohl es dasselbe Motiv ist. Es ist absolut deckungsgleich. Und da bin ich immer wieder fasziniert, und es geht mir voll ans Herz sozusagen, wenn ich das so ausdrücken kann. Das finde ich extremst emotional.

Grundlagen der Fotografie: Filter

Lernen Sie, dynamische und statische Motive mit Filtern abzubilden. ND- und Polfilter kommen zum Einsatz, um satte Farben, fließendes Wasser und ziehende Wolken festzuhalten.

3 Std. 43 min (39 Videos)
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