Grafikdesign lernen: Flaschenetikett-Redesign

Die Bildebene – Resümee

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Die Illustrationen wirken zu grob gestaltet und willkürlich kombiniert. Das an einen Apfel angelehnte Gemälde, dessen Motiv nicht mehr erkennbar ist, wirkt als Bildmotiv hilflos und ist damit nicht sachdienlich. Man sollte schon von weitem erkennen, was sich in der Flasche befindet. Hier erfahren sie, wie man so ein Problem löst.

Transkript

Schaun wir uns zum Schluss das Bild an. Und fragen wir uns, was das Bild in diesem Fall leisten soll. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, heißt es, und das ist richtig. Es wurden in der Mediengeschichte niemals so viele Bilder produziert, wie heute. Aus einem ganz einfachen Grund. Weil es manchmal nur ein einziges Bild braucht, um einen komplexen Zusammenhang in Sekundenschnelle zu erklären. Das trifft natürlich auch auf unser Etikett zu. Denn der abgebildete Apfel zeigt sofort, dass sich irgend etwas aus Äpfeln in der Flasche befindet. Leider ist das hier aber misslungen. Zum Einen ist die Illustration handwerklich nicht gut ausgeführt, denn der Farbauftrag lässt eher den Duktus eines Hobbykünstlers vermuten. Verwendet man nämlich Illustrationen im professionellen Bereich, sollten sie auch von einem Profi erstellt werden, und über eine gewisse künstlerische Qualität verfügen. Und sie sollten ohne Umwege verdeutlichen, um was es geht. Hier ist aber an den Apfel ein Gemälde in einem Prunkrahmen mit einem Landschaftmotiv der Rhön angelehnt worden. Das ist eine Beigabe, die mir unverständlich ist, und aus meiner Sicht wenig kreativ. So ein Gemälde illustriert für mich eher den Begriff des Gelsenkirchener Barocks. Eine Grundregel in der Kommunikation heißt nämlich, "Treffe nur eine einzige Aussage, alles andere ist unverdaulich". Hier wird aber auf eine etwas krampfhafte Art versucht, die Schönheit der Rhön dem Apfel hinzuzufügen. Das ist überflüssig. Zumal die Größe in der die Apfel-Gemälde-Kombination auf dem Etikett erscheint, schließlich viel zu klein ist, als das man sie überhaupt noch erkennen könnte. Mein Lösungsvorschlag zur Vereinfachung ist ein professionell fotografierter Apfel der wieder in einem ungewöhnlichen Format ganz unten auf dem Etikett untergebracht ist. Dadurch wird wieder Spannung erzeugt. Der Apfel fällt auf, und es ist klar, dass sich ein Produkt aus Äpfeln in der Flasche befindet. Aber ohne die störende Beigabe eines überflüssigen zweiten Bildelements. Den Rest der Information, dass es sich nämlich um Essig handelt, muss der Text leisten. Solche Fotos muss man übrigens nicht unbedingt für viel Geld von einem Profi-Fotografen anfertigen lassen. Es finden sich tausende gut fotografierter Äpfel in den Archiven von Bildagenturen, deren Kataloge per Internet durchsucht werden können. In den meisten Fällen sind die Bildnutzungsrechte für kleine Beträge zu haben, so wie hier. Führen wir uns am Schluss nochmals vor Augen, was an diesem Beispiel des Flaschenetiketts die wichtigsten Grundsätze guter Gestaltung sind. Das ist zum Ersten das Vereinfachen, zum Zweiten das Weglassen, zum Dritten die gute Struktur, und zum Vierten das Spannungsvolle Zusammenfügen von allem. Hierzu gehört die grundsätzliche Frage, ob der Gestaltungsauftrag in einem gewohnten Format ausgeführt werden muss, oder ob ein aussergewöhnliches Format viel spannender und aufmerksamkeitsstärker ist. Es gehört dazu zunächst alles überflüssige weg zu lassen, also nur mit den Elementen zu arbeiten, die unbedingt nötig sind. Ob Text, Bild, Fläche oder Farbe. Addieren Sie nur weitere Gestaltungselemente, wenn sie den optischen und inhaltlichen Eindruck aufwerten. Vermeiden Sie visuellen Lärm aufgrund von gestalterischen Unsicherheiten. Weniger ist mehr, und eine Aufgabe des Designs ist, Orientierung zu schaffen. Hierzu gehört auch der Mut zum Leerraum, denn der Leerraum ist die Bühne der Gestaltung. Nur im Zusammenklang mit Leerraum kann Gestaltung wirken. Durch den Verzicht auf sämtliche überflüssigen gestalterischen Modifikationen und das ruhige, aber trotzdem spannungsvolle Zusammenfügen ausgesuchter Elemente, wirkt das Etikett nun klar, aufgeräumt, und es ist sofort erfassbar. Das Produkt hat wie nebenbei selbstverständlich "die" visuelle Aufwertung erfahren, die ihm eigentlich gebührt. Gelingt es dann auch noch, eine weritge Flasche zu finden, ist die Freude über das Ergenis perfekt. Denn gutes Design wertet jedes Produkt auf, und dadurch verkauft es sich besser. Auch nicht-Gestalter haben ein Gefühl für gute Gestaltung, auch wenn sie es nicht wirklich in Worte fassen können, und greifen eher zum schönen und wertvollen Produkt.

Grafikdesign lernen: Flaschenetikett-Redesign

Lernen Sie das Zusammenspiel von Schriften, Farben und Bildern zu einer tollen grafischen Gesamtgestaltung schätzen!

41 min (8 Videos)
Praxisnah und nachvollziehbar
Anonym

Sehr gut: Ein "echtes" Beispiel aus der Praxis. Sehr gut erklärt. Wenig Technik, viele Grundlagen. Mehr davon ...

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