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Grafikdesign für Nicht-Grafiker: Farbe

Der Farbkreis – komplementäre und simultane Farben

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Beim Umgang mit Schriftfarben ist ein Grundwissen über das Zusammenspiel von Schriftfarbe und Hintergrund unerlässlich. Hier lernen Sie den Farbkreis und die Bedeutung der Positionen im Farbkreis kennen. Farben beeinflussen sich gegenseitig. Helle Farben lassen kräftige Farben noch kräftiger wirken, Farben mit ähnlicher Intensität wirken oft „flau“, manche Farben vertragen sich in bestimmten Anordnungen überhaupt nicht miteinander.

Transkript

Seit Isaac Newton in 1666 bewies, dass sämtliche Farben im Licht erhalten sind, wurde schon viel Zeit mit Versuchen verbracht, Farbe zu kategorisieren und anhand verschiedener Farbmodelle ihre Zusammenhänge zu verstehen. Newton selbst entwarf im Jahr 1700 einen ersten einfachen Farbkreis, der die einzelnen Farben kreisförmig aufbreitet und dem Zusammenschluss des Kreises gegenüberstellt. Dieser Farbkreis dient den heute genutzten Farbkreisen immer noch als Vorbild. Ein zweiter berühmter Grundlagenforscher der Farbenlehre war Johann Wolfgang von Goethe. 1810, also gut 100 Jahre später, entwickelte er einen verfeinerten Farbkreis. Goethe addierte zu Newtons Farbkreis weitere Mischfarben, liest aber die Grundfarben des Newtons Modells unverändert. 1962 schließlich erstellte der ehemalige Bauhausmeister Johannes Itten den zwölfteiligen Farbkreis so, wie er für uns heute noch neben anderen Gültigkeit hat. Der grundsätzliche Aufbau ist aber bei allen Farbkreisen mehr oder weniger gleich. In diesem Farbkreis finden wir die drei Grundfarben der additiven Lichtfarben: Rot, Grün und Blau, aber auch die Grundfarben der Objektfarben oder Körperfarben: Magenta, Cyan und Gelb. Zwischen den sechs Grundfarben sind weitere sechs Mischfarben aus den Grundfarben untergebracht. Mittlerweile nutzen wir verschiedene komplexe Farbmodelle um Fabrzusammenhänge zu verstehen und zu erläutern. Im digitalen Bereich wird auch mit hochkomplexen dreidimensionalen Farbräumen gearbeitet. Weitergehend gemeinsam sind allen Farbmodellen aber die einzelnen Farben an sich, deren Anordnung nebeneinander und im geschlossene Farbkreis die dadurch entstehenden gegenüberliegenden Farbpositionen. So liegt hier dem Gelb das Violett gegenüber, dem Rot Türkis, dem Magenta Grün, dem Limegrün Lila und so weiter. Alle Farbpaare, die sich im Farbkreis gegenüberliegen, nennt man Komplementärfarben. Also gegensätzliche Farben. Und er dazu gehörige Farbkontrast ist der Komplementär-Kontrast. Die Komplementärfarben haben es in vielen Fällen der graphischen Anwendung in sich. Oft ist es so, dass sie sich überhaupt nicht miteinander vertragen. Vielleicht weil sie, wie komplementär schon sagt, gegensätzlich sind. Schauen wir uns an, wie sich Komplementärfarben zum Beispiel in der Anwendung von farbiger Schrift auf farbigen Hintergründen bekämpfen können. Als erstes Beispiel nehmen wir die Komplementärfarben Rot und Türkis. Die Farben flimmern in der Zusammenstellung und der Text ist kaum lesbar. Das menschliche Gehirn ist nicht in der Lage Komplementärfarben gleicher Intensität und Helligkeit ausreichend voneinander zu trennen. Es behilft sich sogar die Farbtrennung zu erzeugen, indem es eine Umrandung der Schrift simuliert, obwohl ich keinerlei Kontur um die Schrift gelegt habe. Genauso wenig funktioniert das, wenn man die Farben tauscht. Dasselbe passiert bei der Kombination Magenta und Grün, Orange und Cyan und bei fast allen Komplementärfarben. Die einzige Möglichkeit das Farbflimmern abzustellen, ist die Schrift tatsächlich zu konturieren, was natürlich wenig elegant ist und nur im Kinder- oder Jugendbuch Bereich gemacht wird. Die Komplementär-Kombination, die man problemlos anwenden kann, sind die Farben Gelb und Violett, aber nur diese. Und woran liegt das? Ganz einfach, am Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Gelb und Violett. Gelb ist die hellste Farbe im Farbkreis, Violett die dunkelste. Und das heißt wiederum, dass man bei der Zusammenstellung von Text und Hintergrundfarben nicht nur seinen Geschmack folgen darf, sondern unbedingt auch auf dem ausreichend Hell-Dunkel-Kontrast der Farben achten muss. Stellt man eine der Komplementärfarben deutlich heller ein als die andere, funktioniert das wieder. Oder wir typographieren mit Weiß oder Schwarz, das funktioniert immer und ist in den meisten Fällen auch viel eleganter. Ein naher Verwandter des Komplementär-Kontrastes ist der Simultan-Kontrast. Er bewirkt, dass Farben anders wirken, je nachdem auf welcher Hintergrundfarbe sie sich befinden. Vorder- und Hintergrundfarben stehen in einem ständigen Spannungsverhältnis. Neutrale Hintergründe wie vergraute Flächen, die also überhaupt keine Farbinformation enthalten, verändern sich subjektiv in Richtung Komplementärfarbe der Vordergrundfarbe. Das bewirkt auch wieder unser Gehirn. Schauen wir zum Beispiel in eine helle grüne Lichtquelle und schließen dann die Augen, leuchtet sie in ihrer Komplementärfarbe Pink, also eigentlich Magenta, in der Dunkelheit der geschlossenen Augen nach. An diesem einfachen Beispiel möchte ich Ihnen den Simultan-Kontrast, also wie Farben in unterschiedlichen Umgebungsfangen unterschiedliche Wirkungen veranschaulichen. Sei sehen ein vergrauten gelben Punkt auf leuchtend gelben Hintergrund. Und hier sehen Sie denselben gelben Punkt in seinem komplementären Umfeld. Die Wirkung ist eine völlig andere. Hier wirkt der vergraute gelbe Punkt hell und leuchtend, ein helleres Gelb kann man sich kaum vorstellen. Was bedeutet der Simultan-Kontrast also für das Gestalten mit Farben? Wieder recht einfach: Ich muss die Farbintensitäten im Zusammenspiel aller Farben behutsam und aufmerksam dosieren. Farben können schnell zu grell oder zu flach in ihrem farbigen Umfeld wirken. Dieselbe Farbe kann in einer Gestaltung heller oder dunkler wirken, obwohl sie ein und dieselbe ist. Flächenanteile müssen aufeinander abgestimmt sein. Eine Linie, die dieselbe Farbe, wie eine gegenüberliegende Fläche haben soll, muss zum Beispiel meistens dunkler eingestellt sein, damit sie subjektiv dieselbe Farbwirkung hat. Schauen Sie sich also Ihr Resultat ganz genau an und scheuen Sie sich nicht zu verändern, was falsch aussieht, auch wenn es theoretisch richtig ist. Denn den Sinn der Täuschung des Gehirns muss entgegengewirkt werden. Das nennen wir in der Gestaltung den optischen Ausgleich.

Grafikdesign für Nicht-Grafiker: Farbe

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1 Std. 11 min (15 Videos)
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