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Grafikdesign für Nicht-Grafiker: Farbe

Der Druckprozess

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Frank Koschembar erläutert in diesem Video die Abläufe in einer professionellen Druckerei. Sie lernen die Bedeutung der Rasterreproduktion kennen und erhalten eine kurze Erklärung der technischen Umsetzung in der Druckmaschine. Außerdem lernen Sie etwas über "typische" Druckfehler und deren Ursprung.

Transkript

Nahezu alle Farben lassen sich durch die 4 Grundfarben der Euroskala erzeugen. Und genau nach diesem Prinzip funktioniert eine handelsübliche Druckmaschine. Sie bringt jede Grundfarbe der subtraktiven Farbmischung, die zum Druck benötigt wird, Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz, nacheinander auf dem Bedruckstoff meistens Papier auf. Das funktioniert, indem der Papierbogen durch die Druckmaschine geführt wird, die aus unterschiedlich vielen Druckwerken besteht. Die einfachste Vierfarbdruckmaschine muss also über vier Farbwerke verfügen. Das sind einzelne rotierende Druckzylinder, die mit den jeweiligen Grundfarben bestückt sind. Als optimaler Standard des Farbauftrags hat sich die Reihenfolge K, also Schwarz, Cyan, Magenta und zum Schluss das Gelb bewährt. Jetzt stellt sich aber die Frage, wie die vier Grundfarben auf dem Papier gemischt werden, sodass nahezu unendlich viele Farbtöne entstehen können. Ich habe Ihnen schon veranschaulicht, dass das Übereinanderlagern von subtraktiven Farben den Sinneseindruck Schwarz ergibt. Das ist keine wirklich gute Idee, wenn man ein farbiges Bild drucken will. Und nochmals zur Erinnerung, meine Grundschule-Erfahrung im Malunterricht: Je mehr Farben, die ich übereinander schichtete, umso dunkler und grauer wurde mein Bild. Eine raffinierte Technik schafft hier Abhilfe, nämlich die Rasterreproduktion, die durch einen elektronischen Raster Image Processor, kurz RIP genannt, hergestellt wird. Das RIP zerlegt das bunte Bildmotiv in die Grundfarben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz und stellt vier sogenannte Farbauszüge her. Für jede Farbe einen. Dann zerlegt es jeden Farbauszug in unterschiedlich dicke Druckpunkte, die lineal aneinander gereiht werden und zwar in einer gitterförmigen Anordnung. In jedem Farbauszug wird dieses Punktliniengitter in einen anderen Winkel gelegt. Das nennt man den Rasterwinkel. Und der Effekt der Rasterwinklung ist, dass die Druckpunkte der einzelnen Farben nicht immer auf dieselbe Stelle, sondern versetzt, also teilweise nebeneinander auf dem Papier abgesetzt werden. Und das ist eine geniale Erfindung. Dadurch dass die Druckpunkte teilweise nebeneinanderliegen, kann ein vollfarbiges Bild gedruckt werden und nahezu jeder Farbton aus den vier Grundfarben simuliert werden. Simuliert deswegen, weil die vier Farben ja nebeneinander liegen. Aber nach dem Druck sind die einzelnen Rasterpunkte bei normaler Leseabstand nicht mehr erkennbar und mischen sich zu einem homogenen Gesamtfarbeindruck. Das Ganze erinnert also ein bisschen an den Pointillismus der Impressionisten. Von weitem fließende Farben und dynamische Formen, aus der Nahe eine wirre Ansammlung von Punkten. So baut sich das Gesamtbild Stück für Stück auf, wenn das Papier von dem einem Farbdruckwerk zum nächsten transportiert wird. Im ersten Farbwerk wird das Papier mit Schwarz bedruckt, im zweiten wird Cyan hinzugefügt, im dritten Magenta und zum Schluss kommt das Gelb hinzu und fertig ist das vollfarbige Bild. Eine faszinierende Technik und tolle Erfindung. Das Druckbild kann übrigens in unterschiedlich feinen Rastern auf das Papier abgesetzt werden, Je feiner der Raster ist, umso schärfer wird das Bild. Standard im weiterverbreiten Offsetdruckverfahren sind 60er oder 70er Raster. Das bedeutet, dass sich auf einen Zentimeter 60 oder 70 Rasterpunkte befinden. Auf einem Quadratzentimeter liegen also 3.600 bis 4.900 Punkte. Das eine Menge und erleichtert es unserem Gehirn das Ganze als homogenes Bild wahrzunehmen. Es gibt noch einige andere Rasterformen, die aber nicht so oft verwendet werden und deswegen spare ich Ihnen und mir sie hier zu erklären. Aber einen Tipp möchte ich Ihnen noch geben. Jeder Drucker druckt außerhalb des Druckbildes ein sogenanntes Passkreuz mit. Das dient zur Kontrolle, dass alle Druckplatten in den jeweiligen Farbwerken genau justiert sind, denn die Farbauszüge müssen haargenau übereinanderliegen damit alle Farbpunkte an richtigen Ort abgesetzt werden. Passen die einzelne Farbformen nicht exakt aufeinander, ergeben sich nämlich mehr oder weniger extreme Unschärfen und Farbverschiebungen. Das wollen Sie nicht und das war auch nicht die Absicht des Rasters Image Prozesses, der die Position vorher genau berechnet hat. Ein exaktes Passkreuz ist schwarz, weil alle vier Farben übereinander liegen. Bei einem ungenauen Passkreuz liegen die verschiedenen farbigen Kreuze nebeneinander. Das nennt man Passungenauigkeit und die ist der Beweis, dass mit dem Druckbild etwas nicht stimmt, auch wenn es auf den ersten Blick nicht auffällt. Warum ist die Verwendung von Sonderfarben so kostenintensiv? Jetzt wo Sie wissen, wie eine Druckmaschine prinzipiell funktioniert, ist das der richtige Moment das zu erklären. Sie erinnern sich, es gibt Farben, die sich durch die Druckfarben der Euroskala Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz nur unzureichend simulieren lassen. Das sind Sonderfarben, die sich nach Farbpaletten anderer Normierungen richten, besonders Brillante- oder Leuchtfarben auch Metaliktönen. Werden Sonderfarben dem Vierfarbigendruck- Prozess nach Euroskala hinzugefügt, bedeutet das in der Regel eine verbesserte Wiedergabe bestimmter Farbelemente. Und Sie erinnern sich, dass diese Sonderfarben vorgemischt vom Drucker bei unterschiedlichen Herstellern fertig und verpackt zu beziehen sind. Der Hintergrund für die Mehrkosten ist der, dass jede der Sonderfarben ein eigenes Farbwerk in der Druckmaschine beansprucht. Werden also zu den vier Grundfarben noch zusätzliche Sonderfarben, vielleicht sogar noch spezielle Lacke verwendet, erhöht sich der Bedarf an Druckwerken. Es werden also Maschinen mit fünf, sechs, acht, zehn oder zwölf Farbwerken benötigt, je nach Anzahl der Sonderfarben, die hinzugefügt werden und solche Maschinen sind sehr teuer. Wie überall sonst werden auch hier die Kosten anteilig auf die Betriebsstunden umgelegt. Man muss also abwiegen, ob die Güte des Druckergebnisses die Mehrkosten rechtfertigt. Bei aufwändigen Druckerzeugnissen wie Image Broschüren, Bildbänden, speziellen Logofarben oder hochwertigen Katalogen, nimmt man diese Mehrkosten auf dem Kauf. In anderen Fällen muss das Kosten-Nutzen-Verhältnis genau geprüft werden. Übrigens steht keine Maschine mit ausreichenden Druckwerken zur Verfügung, kann das Papier auch mehrmals durch eine Maschine mit weniger Druckwerken laufen. Das ist aber ein Notbehelf, weil das Druckergebnis des ineinander Drucks aller Farben eigentlich nur dann optimal justierbar ist, wenn alle Farben auch gleichzeitig gesteuert werden. Läuft ein bereits bedruckter Druckbogen ein zweites Mal durch die Maschine, es ist schwer wieder die hundertprozentige Passgenauigkeit einzustellen. Sie erinnern sich an die Passkreuze, die genau übereinander liegen müssen. Was ich Ihnen in diesem Film veranschauliche, müssen Sie natürlich nicht selbst beherrschen, dafür gibt es qualifizierte Experten, die Sie auch beraten. Denn Drucken ist aus meiner Schicht heute kein Handwerk mehr, sondern ein hochentwickeltes technisches Verfahren, das auch immer weiterentwickelt wird. Die Druckqualität, die heute erzielt werden kann, lässt sich kaum noch, mit der von vor 15 Jahren vergleichen und das wird in weiteren 15 Jahren nicht anders sein. Sie sollten aber trotzdem wissen, wie der Vierfarbdruck nach Euroskala grundsätzlich funktioniert, dass er eigentlich nur Farben simuliert und dass Sie wissen, wo die Qualitäts- und Kostenfallen lauern und wie Sie ihnen entgegenwirken können. Und ich hoffe, dass mir das gelungen ist.

Grafikdesign für Nicht-Grafiker: Farbe

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1 Std. 11 min (15 Videos)
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Erscheinungsdatum:22.11.2016
Aktualisiert am:19.12.2016
Laufzeit:1 Std. 11 min (15 Videos)

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