Grundlagen der Fotografie: Schwarzweiß

Das Histogramm in der Schwarzweiß-Fotografie

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Eberhard Schuy hat keine Angst vor der Belichtungswarnung im Histogramm. Maike Jarsetz erläutert, was hinter der statistischen Darstellung der Tonwertverteilung im Bild steckt.

Transkript

Ich höre immer wieder, dass Teilnehmer in Kursen mir erzählen, dass die die Bilder früher, so ein richtiger Baryt-Abzug, ja doch schon mal was anderes waren, wie die Bilder heute und da bin ich immer skeptisch, weil ich nicht zu denen gehöre, die grundsätzlich alles, was früher war, für besser halten. Im Gegenteil, also vieles war weder besser noch schlechter. Es war vieles anders, aber das hat wenig zu bedeuten. Und aus dem Grund frage ich dann immer nach: "Was war den besser und warum waren denn die Schwarzweiß-Bilder besser?" "Ja, weil wir hatten da so richtig schöne Tiefen und der Tonwertumfang war doch ein ganz anderer." Und spätestens da muss ich dann ein bisschen eingreifen, denn der Tonwertumfang, den haben wir nun wirklich heute deutlich einfacher und besser im Griff wie früher. Und wenn man dann nachfragt, dann kommt man immer wieder dahin: "Ja die Bilder hatten so tolle Schwärzen und da gab es noch richtige Bildweißen." Und da sage ich sofort: "Das Papier oder das Display ist heute mindestens genauso weiß und es gibt keinen Grund, warum das heute nicht so sein sollte, wenn wir entsprechend damit -- womit? --, mit dem Histogramm umgehen und wirklich mal keine Angst haben, wenn wir ganz rechts oder ganz links ankommen und es blinkt." Mein Lieblingsspruch ist: "Wenn es blinkt, dann ist es gerade richtig." Also keine Angst vor Bildschwärzen und Bildweißen. Oder sehe ich das falsch? Ne, das siehst du nicht falsch und vielleicht muss man im Vorwege noch ein paar Worte zum Histogramm generell erklären, was ein Histogramm ist. Das ist nichts anderes, als die Statistik meiner Tonwerte. Das ist das was mir angezeigt wird. So mancher hat es auf seiner Kamera schon entdeckt. Da sind diese komischen Berge, die mir irgendwas anzeigen und manchmal blinkt das ganz fürchterlich. Das will mir einfach nur sagen, dass hier entweder ganz links, da wo die Schwärzen sind oder ganz rechts, da wo das absolute Weiß ist, dass es da sozusagen das Äußerste, den äußersten Punkt, erreicht hat. Ist es jetzt gut oder ist es schlecht? Ich meine, gucken wir uns das Motiv an. Wir haben eine Lichtdurchflutung von hinten, wir haben richtige Schwärzen in den Details. Also ein Schwarz und Weiß, das brauchen wir schon. Aber ob es jetzt richtig ist oder zu viel ist, das können wir hier überprüfen. Es geht letztendlich immer darum, ob man wirklich die Feinheiten auch in diesen ganz hellen und ganz dunklen Bereichen noch erhalten kann nun. Und das erhält man eigentlich, wenn man keine Flächen ausfressen lässt. Das kann man hier auch ganz einfach überprüfen. Also wir sehen ja jetzt hier z. B. im weißen Bereich, da hat sich das Histogramm schon ganz schön die Nase rechts angestoßen. Also das scheint, wie man so schön sagt, ausgefressen zu sein und wenn wir die Lichterwarnung anmachen -- das machen wir durch einen Klick auf dieses kleine Dreieck --, dann sehen wir: "Oha, da scheint ja wirklich eine große Fläche ausgefressen zu sein". Sowas kann ich korrigieren. Wenn ich mit Raw-Daten arbeite, kann ich solche Sachen korrigieren. Sicherlich auch in einem Maße; es darf nicht zu viel sein. Aber hier sieht man, dass ich nur mit einer leichten Lichterkorrektur schon so weit zurückgehen kann, dass die Fläche auf jeden Fall nicht mehr ausgefressen ist und ich wirklich nur noch kleinste Details habe, wie hier an den Rändern, die dann blitzen und das ist genau das, was ich halt auch brauche. Jetzt fragt man sich vielleicht so ein bisschen: "Kann das sein, wenn das eben ausgefressen war, dass es jetzt wirklich gesund zurückentwickelt wurde?" Und dazu muss man sagen, dass diese Lichterwarnung eigentlich nicht die ganze Wahrheit erzählt. Denn es zeigt generell nur an, wo irgendetwas in den Beschnitt gegangen ist. Wir haben es aber hier, auch wenn wir mit Schwarzweiß-Umwandlungen arbeiten und dieses ist ja jetzt ein monochromes Bild, aber auch kein Schwarzweiß-Bild, wir haben es in diesem Fall immer mit einem Farbbild zu tun, also mit drei Farbinformationen. Das heißt, selbst wenn zwei Kanäle aufgefressen wären, hätte ich immer noch einen, der mir die Zeichnung in den Lichtern geben kann. Was genau da passiert, dass sehe ich eigentlich viel besser, wenn ich nicht mit dieser Lichterwarnung arbeite, sondern während ich meine Korrektur mache in einem dieser Tonwertregler, die Alt-Taste drücke. Wenn ich die Alt-Taste drücke und dann den Schieberegler bewege, dann wird das Bild ausgeblendet und ich sehe halt ganz genau, welche Bereiche hier ausfressen würden. Es sind tatsächlich nur die ganz weißen Bereiche. Wir sehen hier bunte Pixel. Ich zieh das mal wieder ein bisschen an, bis wir die Fläche wieder haben. Wir sehen diese Fläche ist nicht weiß. Sie ist grün für den Grünkanal und gelb, also Rot und Grün ergibt Gelb in der additiven Farbmischung, in den beiden Kanälen. Ich hätte immer noch den Blaukanal, um hier eine Zeichnung zu gewährleisten und trotzdem den Charakter des Bildes noch weiter beizubehalten. Das heißt, die Alt-Taste hilft mir sehr schön, hier zu erkennen, was mit dem Bild wirklich los ist, was in den Tiefen und in den Lichtern passiert. Und damit kann ich eigentlich sehr gut auch nachträglich diese kritischen Bereiche soweit eingrenzen, dass ich immer noch ein ganz stark moduliertes Bild habe, aber trotzdem genau das beibehalte, was ich am Ende brauche, nämlich ein richtiges Weiß und ein richtiges Schwarz im Bild. Und dabei hilft mir das Histogramm, sowohl bei der Aufnahme, wenn ich ein bisschen Mut habe, es auch wirklich an die Grenzen zu belichten, als auch bei der Entwicklung, wenn ich genau diese Grenzen dann nochmal feintunen kann.

Grundlagen der Fotografie: Schwarzweiß

Lernen Sie, was die Schwarz-Weiß-Fotografie ausmacht – von der Bildgestaltung über die richtige Motivsuche und Aufnahme bis hin zur Bildbearbeitung.

2 Std. 15 min (25 Videos)
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