Grundlagen der Video-Farbkorrektur

Bleach-Bypass-Effekt

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Wie die Technik für einen Bleach-Bypass-Effekt (Bleichauslassung) funktioniert und wie Sie diesen speziellen Look erzeugen, das erfahren Sie hier.

Transkript

Kommen wir nun zu einer sehr coolen und interessanten Farbkorrektur, die mir persönlich sehr gut gefällt und die man auch in der Werbefotografie sehr oft wiederfinden kann, den Bleach-Bypass-Effekt oder im Deutschen auch Bleichauslassung genannt. Dieser Effekt erzeugt einen sehr interessanten entsättigten, fahlen und kühlen Look mit starken Kontrasten. Der Name kommt von einem chemischen Prozess der Filmentwicklung, bei dem der Vorgang des Bleichens teilweise oder sogar komplett ausgelassen wird. Im Grunde sieht es so aus, wie wenn ein Schwarzweißbild über ein farbiges Bild gelegt und miteinander verblendet wird. Hier einige Beispiele dafür: 1956 wurde der Film "Moby-Dick" mit dem Technicolor-Verfahren produziert und hier hat man gezielt eine Schwarzweißversion zusammen mit dem Farbbild entwickelt und übereinander gelegt. Dieser kontrastreichere Look von "Moby-Dick" inspirierte damals den japanischen Filmemacher Kon Ichikawa und er war der Erste, der 1960 bei seinem Film "Her Brother" bewusst den Schritt des Bleichens bei der Filmentwicklung ausließ. In dem Film "1984" wurde dieser Look erneut genutzt und bis heute ist dieser Stil ziemlich beliebt. Zu den bekanntesten Filmen der Neuzeit bei denen der Bleach-Bypass-Effekt eingesetzt wurde, zählen zum Beispiel "Der Soldat James Ryan" und "Minority Report". OK, schauen wir uns an, wie diese Technik funktioniert und wie wir einen einfachen Bleach-Bypass-Look erzeugen können. Wir wollen also ein stark entsättigtes Bild mit einem hohen Kontrast und stark zusammengequetschten Schwarz- und Weißwerten haben. Und wir wollen, dass es leicht ausgewaschen aussieht, vielleicht mit einem leichten Stich ins Blau. Ich lege also eine Einstellungsebene auf die Videospur 2 und spiele als Erstes ein wenig mit dem Kontrast herum, indem ich die Schwarz- und Weißwerte sowie die Mitteltöne einstelle. Dazu brauche ich natürlich mein YC-Waveform-Messgerät und ich kann das jetzt entweder in der einfachen Korrektur machen oder auch in den Gradationskurven. Dabei schaue ich ganz automatisch auf mein Y-Waveform-Messgerät. Allerdings sollten Sie die Finger von den Reglern "Kontrast" und "Helligkeit" lassen, da diese sich nicht so fein kontrollieren lassen. Regeln Sie stattdessen den Schwarz- und den Weißwert lieber unabhängig von einander. OK, ja, das passt. Das sieht ganz gut aus. Den oberen Bereich können wir durchaus etwas überstrahlen lassen. Und dann schalte ich um auf mein Vektorskop und spiele ein wenig mit der Sättigung herum. Wir haben hier sehr viele Rotanteile, das liegt hauptsächlich an ihrem roten T-Shirt und das heißt, ich schraube erstmal die Sättigung gesamt herunter und dann kann ich mir noch überlegen, ob ich das T-Shirt unabhängig von ihren Hauttönen entsättige, vielleicht nicht ganz so stark, aber ein bisschen schadet nicht. Das wäre grundsätzlich schon mal ein sehr simpler und einfacher Bleach-Bypass-Effekt, schauen wir uns das mal an. Vorher und nachher. Ja, ist ein ganz schöner Unterschied, nicht wahr? In Avid Media Composer sehen wir hier, wie gesagt, auch wieder Schwarz- und Weißwerte werden unabhängig voneinander eingestellt. Entweder über die Gradationskurve oder über den Gain, der Gamma hier, und das Setup. Und hier sehen wir die Master Saturation, also das ist im Endeffekt ähnlich. Und in Final Cut Pro 10, auch hier, man sieht das, Schwarzwerte, Weißwerte, Mitteltöne, dann die Sättigung. In dem Fall würde ich erstmal die Master-Sättigung runterziehen, da habe ich auch einen globalen Regler und jetzt kann ich hier nochmal die Mitteltöne unabhängig hier regeln, das ist eigentlich eine ganz schöne Sache. Wenn ich dann noch einfärben möchte, kann ich das Ganze noch ein bisschen hier in einen Look ins Blau schieben, ein bisschen kühler schalten. Vielleicht so. Das Grundprinzip der Bleichauslassung kann ich aber auch auf die ursprüngliche Art herstellen. Wir erinnern uns, Technicolor legte eine Schwarzweißversion des entwickelten Materials über eine farbige Version und blendete beides ineinander. Hier haben wir die Schwarzweißversion über der Farbversion, starke Kontraste und zum Überblenden müssen wir hier in die "Effekteinstellungen" eingehen, dort gibt es unter der "Deckkraft" hier die Photoshop Mischmodi. Diese Technik kennen viele vielleicht bereits aus der Fotografie, bei Photoshop kann man zum Beispiel eine Schwarzweißebene mit Hilfe von diesen Mischmodi auf verschiedene mathematische Arten mit der unteren Ebene zusammenrechnen. Jetzt nehme ich in der unteren Ebene natürlich noch die Sättigung raus, weil oben ist ja ein Schwarzweißbild und ein Schwarzweißbild entsättigen geht ja quasi nicht mehr, das ist ja schon entsättigt. In diesem Fall kann ich jetzt hier unten die Sättigungsstärke der unteren Ebene, des Farbbilds regeln und auch die Temperatur. Hier kommt also das Blaue, was ziemlich cool aussieht oder eher etwas warmes, sagen wir "CSI: Miami", "CSI: New York" und hier vielleicht "Matrix", in einem Matrix-Grün. Oben drüber, wie gesagt, ineinander kopiert die Schwarzweißebene und hier kann ich die Kontraste steuern. Also wenn ich das so aufbaue, habe ich sehr viele Möglichkeiten und bin sehr flexibel in der Steuerung der einzelnen Bereiche. Falls Sie tiefer in die faszinierende Welt der Farbkorrektur eintauchen und die Möglichkeiten wirklich voll ausschöpfen wollen, dann empfehle ich Ihnen, sich mit diesen Mischmodi von Photoshop einmal wirklich intensiver auseinander zu setzen. Als Ausgangspunkt ist das schon mal ganz gut. Jetzt kann ich noch weiter an den Einstellungen schrauben und damit ein sehr interessantes Farbkonzept erstellen.

Grundlagen der Video-Farbkorrektur

Sehen Sie, worauf Sie achten müssen, wenn Sie Farbe im Film korrigieren oder stimmungsvolle Looks gestalten.

2 Std. 21 min (18 Videos)
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