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Grundlagen der Fotografie: Schwarzweiß

Architekturfotografie in Schwarzweiß

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Das Beispiel des Londoner King's-Cross-Bahnhofs veranschaulicht, wie man die Schwarzweiß-Umsetzung eines "dankbaren" Motivs hinbekommt. Andere Motive, bei denen Farbe nicht stört, sondern eine tragende Funktion erfüllen, verlieren in Schwarzweiß.

Transkript

Thema Architektur, eigentlich ein sehr dankbares Thema in der Schwarzweiß-Fotografie, weil wir allein durch die ganze Formen, die in der Konstruktion drin sind, schon ein Schwarzweiß-Bild vor Augen haben. So war es mit diesem Bild auch. Das ist in London, King's Cross Bahnhof, aufgenommen. Und natürlich beeindrucken die Farben, die man da sieht, aber man sieht als erstes die Konstruktion und die wollte ich bei der Schwarzweiß-Umsetzung auch herausarbeiten. Und das habe ich natürlich durch eine Farbumsetzung gemacht, aber was ich dir jetzt gerne zeigen würde ist, man sieht hier eigentlich nur dieses Lila als Farbe. Da könnte man sagen: "Naja gut, dann wird das Lila heller oder dunkler." Aber man kann auch mit danebenliegenden Farbsegmenten so ein bisschen mehr rauskitzeln. Schauen wir uns mal an. Ich mache jetzt mal das Farbbild auf, dass wird sozusagen bei Null starten. Es ist quasi unentwickelt, ich muss dieses Bild aber auch nicht entwickeln. Es stimmt vom Histogramm her, der Kontrast stimmt, Belichtung stimmt. Also gehe ich gleich in die HSL/Graustufen-Korrektur und wandle das mal in Graustufen um. Und du siehst, glaube ich, gleich, es ist grau. Es ist nicht so ein Schwarzweiß-Bild wie das, was wir eben im Ergebnis gesehen haben, sondern die Farbe wurde jetzt erstmal im Grauton umgesetzt und die kann ich natürlich jetzt steuern, das werden sicherlich die Lilatöne sein, und so hier deutlich mehr Licht reinbringen. Aber damit ich diese feine Struktur auch in der Konstruktion rauskriege, dafür taste ich mich so ein bisschen an die benachbarten Segmente ran und ich sehe, dass ich da innerhalb einer Farbe Licht und Schatten bilden kann. Das ist eigentlich das Schöne, was man mit diesen Reglern auch machen kann. Also nicht nur grob arbeiten, sondern auch fein. Ja, die gesamte Modulation in den Strukturen kommt damit eben raus. Also du baust nicht nur Schwarzweiß, Helldunkel aus, sondern du verstärkst im Prinzip nochmal die Modulation in den Farben. - Ja. - Genau. (M. Jarsetz) Nächster Schritt ist dann natürlich wirklich ein Schwarzweiß-Bild zu machen und hier auf das zu verzichten, was ich nicht sehen möchte. Ich möchte alles hier hinten gar nicht sehen. Ich möchte mich auf die Konstruktion beschränken und werde jetzt nochmal einen ordentlichen Kontrast mit der klassischen Gradationskurve raufbauen. Und hier einfach solche Grautöne, wo ich jetzt raufklicke, sicherlich gleich runterziehen und darauf achten, dass ich bestimmte Mitteltöne im Hellen Bereich -- den nicht gerade --, aber irgendwas im helleren Bereich für mich schütze. Jetzt habe ich mir den gerade genommen, aber das macht nichts, genau. Dadurch, dass ich es jetzt hier ein bisschen runterziehe... - Ja. - ... siehst du das. Der Blick wird automatisch geführt zu dem, was man sehen möchte. (E. Schuy) Ja, es bekommt auch viel mehr Tiefe dadurch das Bild. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das kann man sogar übertreiben. Also man kann sogar sagen, ich ziehe das soweit runter, bis ich halt wirklich ganz tiefe Tiefen habe. Hier im Histogramm sehen wir, wir haben noch nicht mal eine beschnittenes Schwarz, Wir können hier wirklich noch weiter runtergehen, wenn wir wollen. Dann kann es aber durchaus so weit gehen, dass man nachträglich etwas macht, was man eigentlich am Anfang macht, nämlich die Belichtung tatsächlich nochmal ein bisschen nachsteuert, dass man die Mitteltöne nochmal so ein bisschen nachjustiert. Da gibt es viele Möglichkeiten einzugreifen, aber so sind wir relativ schnell bei einer guten Schwarzweiß-Umsetzung. Wie gesagt, dankbares Motiv. Nächstes Motiv ist nicht eine große Konstruktion, sondern eher ein Detail einer Architekturaufnahme. Das war ein Objekt in Belgien. Ich habe es dir gezeigt, diese rostige Kirche, die sehr durch das Licht lebt, was da durch geht. Und hier, wenn ich jetzt mal auf das entwickelte Bild gehe. Hier habe ich natürlich auch mit den Farbsegmenten gearbeitet, aber da war es ganz wichtig, schon am Anfang, durch die Belichtungseinstellung schon darauf zu achten, dass ich halt wirklich all das herausbekomme, was ich in diesem Bild herausbekommen möchte. Wenn wir uns hier jetzt so die Details mal anschauen, siehst du, dass ich die Tiefen aufhellen musste, weil ich sonst diese kleinen Details gar nicht weiter rauskriege. Eine ganz starke Klarheitseinstellung ist hier wichtig, damit ich hier die Detailkontraste, dieses kleine Glitzern, herausbekomme. Und das ist so ein Beispiel, wo man auch von diesen typischen Funktionen für Schwarzweiß, also HSL/Graustufen, Gradationskurve, Klarheit, auch mal so ein bisschen rumgucken kann und gucken kann, was machen denn andere Funktion mit dem Bild. Da habe ich in diesem Beispiel zum Beispiel mit der "Dunst entfernen"- Funktion gearbeitet. Diese ist ja sowas Ähnliches wie der Klarheitsregler. Ich mache es mal wieder ein bisschen kleiner. Und diese zieht mir hier die Tiefen wirklich noch an. Mit dem Klarheitsregler habe ich so den Mikrokontrast reingebracht. Das war mir dann aber ein Tick zu grau und hier habe ich die Tiefen noch angezogen, ohne dass ich das, was ich mir vorher aufgehellt habe, wieder abgedunkelt habe. Und so knetet man so ein bisschen die Tonwerte rum im Schwarzweiß; hat man ja früher auch gemacht: mit dem Papier, mit der Entwicklung, mit allem. Es ist auch ein typisches Schwarzweiß-Motiv für mich. Also wenn ich das mit der ursprünglichen Farbenaufnahme vergleiche, dann sieht man, dass man im Hintergrund noch so ein bisschen Grün sieht von den umstehenden Bäumen. Da sieht man sogar noch ein bisschen Baum und Sträucher und da das komplementär zum eigentlichen rostigen Objekt ist, fällt es natürlich auch auf. Und es lenkt ein bisschen ab und für mich ist das wirklich so ein Motiv, wo ich bei der Aufnahme wahrscheinlich schon gedacht hätte: "Okay, du wirst schwarzweiß, du wirst nicht in Farbe bleiben." Weil es wirklich auf die Kontraste ankommt, auf die Tiefe im Bild ankommt und da spielen wirklich die Farben keine Rolle. Im Gegenteil, mich würden sie stören. Ich muss sagen mir ging es bei der Aufnahme nicht so, weil ich dieses rostige sehr gern mochte. Aber ich habe dann nachher, als das Resultat da war, hat mich tatsächlich das Grün im Hintergrund auch gestört. Das war bei der Aufnahme nicht so und da kam auch der Gendanke, daraus ein Schwarzweiß-Bild zu machen. Es gibt ein anderes Motiv, das ist übrigens das gleiche Objekt -- dieses hier. Das fand ich total schön so, diese weichen Töne, dieses Sanfte, das Licht, was da reinspielt. Mir kam auch erst später die Idee: "Probier es mal Schwarzweiß aus." Und da musste ich auch ordentliche am Kontrast arbeiten, damit das so rauskommt. Aber es wird ein ganz anderes Bild. Ich würde es nicht sagen, das eine ist besser oder schlechter, aber es hat beides seine Wirkung und seine Berechtigung. Absolut, also für mich sind das zwei unterschiedliche Bilder. Das rechte, was ich auch sehr weich finde, sehr harmonisch, wirklich angepasst und wirklich weich. Und die Schwarzweiß-Umsetzung lebt ja vom Kontrast und das hat eine unheimliche Tiefe; man wird reingesaugt ins Bild. Und das lebt wirklich von der Schwarzweiß-Umsetzung, von den Schwarzweiß-Kontrasten und ist eben nicht mehr weich und nicht mehr, also das hat nicht so diesen Flow, der im Bild liegt. Also von daher wirklich unterschiedliche Charaktere in den Bildern, eindeutig. Ja, zwei Bilder in einem praktisch. Das letzte Bild, eine Nachtaufnahme: Tower Bridge. Sieht erstmal so aus, als wenn es knackige Kontraste hätte. (E. Schuy) Sieht super aus. (M. Jarsetz) Könnte man in Schwarzweiß probieren. (E. Schuy) Könnte man in Schwarzweiß probieren. Ich weiß, dass man das könnte, aber nicht muss, weil du hattest es mir schon gezeigt, was da passiert im Schwarzweißen. Und es war eigentlich auch so ein Aha-Effekt wieder für mich. Vielleicht zeigst du einfach mal, was passiert, wenn man das Ding in Schwarzweiß macht. (M. Jarsetz) Es ist eigentlich ganz klar, aber das Bild lebt ja natürlich durch die Helldunkel-Kontraste, die es hier an der Brücke hat und andererseits den Farben, die sich hier durchziehen. Wenn ich das auf eine gleich Stufe stelle und das tue ich, wenn ich jetzt in Graustufen konvertiere, dann sieht man gar nicht mehr drauf. Dann sind es zufällig ein paar Striche, die gerade hier in Straßennähe sich eigentlich mit dem dadrunter verschmelzen. Da kann man natürlich auch rumspielen, das ein bisschen intensivieren. Aber es ist nach wie vor nicht das Bild, was es vorher war. Deshalb ein Bild, wo ich sagen würde: "Das ist ein Farbbild, kein Schwarzweiß-Bild." Eindeutig, ja. Da sieht man, finde ich, sehr deutlich, dass einfach das Bild die komplette Dynamik, die durch die Farbe entsteht, verliert und damit verliert das gesamte Bild an Dynamik. Für mich ist das ein super schönes Beispiel von einem guten Foto, was einem aber zeigt, dass nicht jedes Bild in Schwarzweiß zu wandeln ist und dass man, auch wenn man begeistert ist und solche Bilder gemacht hat, nicht zu Hause sagt: "Da mache ich jetzt noch ein tolles Schwarzweiß-Bild", sondern dass man wirklich selbstkritisch ist: "Macht das wirklich Sinn?" Auch hier, es gibt Farbbilder, die sollten Farbbilder bleiben und eben nicht einfach mal in Schwarzweiß konvertiert werden.

Grundlagen der Fotografie: Schwarzweiß

Lernen Sie, was die Schwarz-Weiß-Fotografie ausmacht – von der Bildgestaltung über die richtige Motivsuche und Aufnahme bis hin zur Bildbearbeitung.

2 Std. 15 min (25 Videos)
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